familienzuschlag · Referendariat

Referendariat mit Kleinkind

Das zweite Halbjahr ist seit ein paar Wochen vorbei. Das erste Jahr als Referendarin habe ich hinter mich gebracht. Während ich das erste Halbjahr mit Baby relativ schnell und positiv verbloggt habe, hat dieser Artikel seine Zeit gebraucht.

Umschwung

Mit dem zweiten Halbjahr im Referendariat sollte alles noch ein bisschen einfacher werden. Carli ist in die Kita gekommen. 5 Tage die Woche für ca. 6 Stunden sollte sie dort sein. Zeit genug für mich um Stunden vorzubereiten, Termine wahrzunehmen, mich um mich selbst, den Haushalt, Alltägliches zu kümmern. Da keimte ja schon im Januar, noch vor Kita-Start die Idee auf: Warum dann nicht zum Sommer auf Vollzeit erhöhen? Ok, die Idee hatte sekundär mit der Kita zu tun und entstammte ursprünglich aus dem Frust über den Ausbildungsplan, der mir ganz und gar nicht gepasst hat. Das hat unterschiedliche Gründe. Ich nenne mal den größten: Trotz 3 Jahres Teilzeitmodell hat der Seminarleiter vorgesehen, dass ich 4 Monate Vollzeit arbeite (wegen der Überschneidung beider Fächer) aber nicht dafür entlohnt werde. Also 4 Monate Vollzeit zu Teilzeitgehalt und das ohne zeitliche Verrechnung am Ende. Deshalb die fixe Idee: Wenn ich das eh schon 4 Monate durchziehen muss, kann ich es auch gleich ganz umstellen und bekomme dann zumindest das verdiente Gehalt.

Die Stimmung war durchweg positiv bis mich, bis uns die Realität einholte. Kita-Kinder werden oft krank. Nix mit 5 Tage 6 Stunden Kita. Nein. Viel schlimmer. Nicht mal die regulären Termine können ohne Probleme wahrgenommen werden. Mist. Dazu gab es bereits eine Reihe von Artikeln von mir. Ich fand die Zeit Februar bis April ganz furchtbar. Und das obwohl der Herzenskerl in der Zeit 8 Wochen Elternzeit hatte und Zuhause war.

Also: Klar es geht. Klar lässt sich das alles irgendwie vereinbaren, aber!!! Referendariat mit Baby ist aus meinem aktuellen Blickwinkel wesentlich einfacher als Referendariat mit Kleinkind, insbesondere Kita-Kind.

Denn abgesehen von wiederkehrenden Krankheiten haben Kleinkinder nun mal andere Bedürfnisse als Babys. Während Babys locker überall schlafen und mit Tuch und Brust glücklich sind, hat so ein Kleinkind doch die ein oder anderen Interessen. Das mag nichts neues sein, aber (!) man wird sich diesen Veränderungen oftmals erst bewusst, wenn sie bereits eingetreten sind. Ähnlich wie mit dem Kranksein: Klar, ich wusste das Kinder krank werden. Aber über die Konsequenzen und Auswirkungen habe ich mir vorher weniger Gedanken gemacht. Nicht nur, dass man übermüdet ist, das schlechte Gewissen einen plagt – man steckt sich des Öfteren auch selbst an. Passiert. Es ist zu schaffen. Und wenn ich hier in der Sonne an meinem neuen super Schreibtisch sitze, dann erscheint es auch gar nicht mehr so schrecklich. Aber ich kann für mich behaupten: das zweite Halbjahr war ein Kraftakt.

Veränderungen

Ich habe irgendwie versucht mich den neuen Strukturen anzupassen. Abends zu arbeiten, wenn Carli schläft, ist keine sichere Option, da ihre Schlafenszeiten oft zu spät sind damit ich noch fit genug bin. Deshalb habe ich versucht so gut es geht wirklich alles in ihrer Kitazeit zu erledigen. Ich habe begonnen mir Arbeit mit in die Schule zu nehmen und erst nach Hause zu fahren, wenn ich mein Tagesziel erreicht habe. Für mich ist es wichtig, dass ich Carli um 14h/14:30h aus der Kita abholen kann und dann Zeit für sie habe. Das ist meine Regel. Alles, was ich bis dahin nicht geschafft habe, muss auf den nächsten Tag warten. Der Nachmittag gehört meiner Tochter. Wir machen dann das, was ihr Spaß macht. Wir lesen Bücher, gehen auf den Spielplatz, wir malen, wir kuscheln. Natürlich gibt es hier auch Ausnahmen. Zb. die 14-tägigen Fachseminare. Oder Unterrichtsbesuche. Da kann dann eben nicht alles bis zum nächsten Tag warten. Aber mit der Vereinbarung bin ich recht gut gefahren.

Motivation

Mir macht die Schule Spaß. Ich unterrichte gerne. Ich bin gerne dort. Was ich nicht mag ist das Referendariat mit all seinen Verpflichtungen. Besonders furchtbar finde ich, dass man als ReferendarIn zwei Dienststellen hat, die sich beide gleich wichtig nehmen. Schule und Studienseminar sind zwei Institutionen, die unterschiedlich strukturiert sind und als Lehramtsanwärter muss man beide miteinander verbinden. Ich habe wirklich ein Schuljahr gebraucht, um anzukommen. Für mich war dieses Doppel etwas anstrengend, weil ich nur in Teilzeit gearbeitet habe und somit sowieso schon weniger vor Ort gewesen bin. Ich habe an einem Punkt entschieden, dass mir Schule wichtiger ist als Seminar. Ja, ich werde vom Seminar beurteilt, aber in der Schule. Und dort muss ich mich wohl fühlen. Rein von meinem Tun hat sich nichts verändert, aber mental war diese Entscheidung wichtig.

Was würde ich ändern?

Ich habe das gesamte zweite Halbjahr gezweifelt, dass die Entscheidung auf Vollzeit zu wechseln, die richtige ist. Ich habe wirklich Pläne geschmiedet, wie ich aus der Nummer wieder herauskomme. Und dann kam die Sonne, es wurde wärmer. Klingt doof, aber ist so. Und ich habe mich einfach hingesetzt und an einigen Schrauben gedreht. Ich habe mich noch besser vorbereitet. Ich habe mir Arbeitszeiten eingerichtet. Ich habe versucht, mich um mich zu kümmern. Ich habe mich organisiert.

De facto würde ich allerdings doch einiges nie mehr so handhaben:

  • Kitaeingewöhung im Referendariat
  • im Winter/ Frühjahr
  • Keinen GUB in der Eingewöhungsphase planen und durchführen

Nein. Wenn man sein Kind in die Kita eingewöhnt, sollte man das wirklich (!!!!) im Sommer machen. Natürlich werden die Kinder dann auch krank, aber nicht so häufig und permanent. Plus: Das eigene Imunsystem ist auch besser. Plus: In der Schule schwirren auch weniger Infekte umher. Also: Das Risiko ist einfach geringer. (* Und mein Freund hatte 2 Monate Elternzeit! Nicht zu vergessen, ich habe das nicht alleine durchgestanden…)

 

Eingewöhnung

Es ist jetzt Oktober. Für mich hat das dritte Halbjahr mit Kleinkind im Referendariat begonnen. Und es war gut. Die Phase Sommerferien bis Herbstferien waren wirklich gut. Im Einzelnen werde ich sicherlich nochmal näher auf die Punkte eingehen, aber ich möchte sagen: Ich bin jetzt eingewöhnt. Ins Referendariat.

 

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6 Kommentare zu „Referendariat mit Kleinkind

  1. Sehr interessant, danke für den Einblick. Ich habe immer das Gefühl, die Stressbelastung der Vereinbarkeit steht und fällt mit dem Einsatz des Vaters… wie doll sich der bei dir eingebracht hat, erwähnst du abgesehen von 8 Wochen Elternzeit nicht, aber ich wage mal die Vermutung, dass die Hauptlast auf dir lag. Viel Erfolg für den Rest des Refendariats!

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    1. Ich glaub dazu schreib ich nochmal länger was….Es ist ein Jein. Carli fällt 100% in meinen Aufgabenbereich, aber er hilft schon sehr viel im Haushalt, wenn er denn Zuhause ist. Trotzdem würde ich mir manchmal wünschen, dass die Organisation von Kinderangelegenheiten nicht allein in meinem Kopf herumschwirren müsste…

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      1. Ach ja, schreib mal, ich finde das immer so interessant!
        Helfen im Haushalt hört sich für mich immer so an, als wäre auch das deine Zuständigkeit und an und an bekommst du eben Hilfe… das sind ganz schöne Brocken an Arbeit, gerade die Organisation ist echt anstrengend, finde ich. Ich habe gerade in einem älteren Beitrag gesehen, das sich da bald was ändert bei euch… falls dich so was interessiert, das Nuf hat mal eine großartige Liste gebloggt über die sichtbaren und unsichtbaren Familienarbeitsteile, die man sehr gut gemeinsam durchgehen kann und sich Zuständigkeiten überlegen kann. Ich bin ja bekennende Anhängerin von Zuständigkeiten, und sei es für so einen Kleinscheiß wie Kinderfingernägel schneiden. Muss halt auch gemacht werden.

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