familienzuschlag

Geschwister

Ich möchte noch mindestens zwei Kinder. Ich wünsche mir, dass Carli noch zwei Geschwister bekommt.

Ich selbst habe eine Schwester und einen Bruder. Die liebe ich sehr und ich bin meinen Eltern unendlich dankbar für dieses Geschenk. Natürlich gab es auch unter uns Geschwistern Zeiten in denen wir uns nicht gut vertragen haben. Gerade meine Schwester, die zwei Jahre jünger ist als ich, und ich hatten typische Geschwister-Streit-Rivalitäts-Genervtheits-Phasen. Besonders als wir kleiner waren, ist es für meine Eltern sowohl Segen – weil wir miteinander gespielt haben – als auch Fluch – weil wir miteinander gestritten haben (Stichwort: lange Autofahrten) – gewesen. Je älter ich, je älter wir wurden, desto mehr hat sich eine liebevolle, freundschaftliche, vertraute Beziehung gefestigt. Diese Familie – meine Geschwister, meine Eltern – sind für mich ein so wichtiger Bestandteil meines Lebens, der mir viel Liebe und Mut gibt. Das möchte ich für mich als Mutter, für meinen Freund als Vater, für Carli als meine Tochter am liebsten genauso auch.

Vertrauen

Seit Carlis Geburt hat sich diese familiäre Beziehungsstruktur zwischen meinen Geschwistern und mir nochmal verändert. Mein Bruder liebt Carli abgöttisch und ist so interessiert, wie ein 18jähriger Junge nur sein kann. Er ist sehr stolz auf seine Nichte und das ist herzerwärmend, kann man das doch nicht erwarten von einem Jungen, der gerade in einer ganz anderen Lebensphase steckt. Meine Schwester aber übertrifft alle Vorstellungen und Erwartungen und Wünsche, die man an eine Tante nur haben kann.Wenn sie zu Besuch kommt, rennt sie sofort auf Carli zu und hat nur noch Augen für meine Tochter. Sie spielt mit ihr, sie liest ihr vor, sie trägt sie in den Schlaf, sie ist für Carli da und Carli spiegelt ihre Zuneigung zurück. Obwohl die beiden sich vielleicht nur einmal im Monat sehen, freut sich mein Kind so sehr über meine Schwester. Ich weiß, würde mir jemals etwas zu stoßen, sie liebt Carli fast genauso sehr wie ich und wäre immer für sie da. Ich würde ihr mein Kind ohne mit der Wimper zu zucken anvertrauen, weil ich weiß, dass es Carli bei ihr immer gut gehen würde. Weil ich darauf vertraue, dass meine Schwester meiner Tochter all ihre Liebe schenken würde.

Ich bin unendlich dankbar für diese Familie. Für meine Geschwister. Für ihre Liebe. Ihr Interesse. Ihre Zuneigung.

Vermissen

Warum ich darüber schreibe? Ich habe gestern den Text „Mein Erstgeborener – Ich vermisse Dich, ich vermisse Uns, Uns beide mit jedem Tag“ von Verena auf ihrem Blog Stillzwerg gelesen und er hat mich mitten ins Herz getroffen. Sie schreibt von dem Gefühl des Vermissens der Zeit mit ihrem erstgeborenen Sohn, von den innigen Momenten, ihrer Beziehung und dass sich durch die Geburt seiner Brüder alles neu finden muss. Sie schreibt, dass sie seine Brüder liebt, sehr liebt – aber auch ihren großen Sohn vermisst.

Der Text ist so gefühlvoll und beladen mit ihren emotionalen Gedanken, dass er mich mitten ins Herz getroffen hat und ich tatsächlich daran gezweifelt habe, ob ich noch mehr Kinder haben möchte, haben kann. Ich war ganz erschüttert und überrannt. Ich musste so weinen während ich ihre Zeilen gelesen habe.

Die Zeit mit Carli ist so besonders. Und dadurch, dass ich arbeite, habe ich so schon oft das Gefühl, ich verpasse so unglaublich viel Zeit mit ihr. Was ist dann erst, wenn sie die Aufmerksamkeit noch teilen muss? Was ist, wenn ich nachts nicht nur ihre Hand halte? Wenn plötzlich ein anderes Kind auf meinem Arm geliebt wird? Was ist, wenn ich sie dann nicht mehr sehe?

Und genau an diesem Punkt werde ich jetzt aufhören darüber nachzudenken. Jedenfalls in dieser Richtung.

Veränderungen

Es wird nämlich wunderschön sein, nachts neben meinen Kindern zu liegen und zu sehen, wie sie einander Geborgenheit geben.

Ich werde jubeln vor Liebe, wenn Carli ihre Geschwister tröstet.

Ich werde Carli immer sehen. Immer lieben. Immer wahrnehmen. Immer für sie da sein. Immer. Immer. Immer. Und es wird nichts an meiner Liebe für sie ändern. Nein, meine Liebe wird jeden Tag noch stärker und noch mehr.

Es wird sich hier eines Tages einiges verändern, wenn das Leben denn will, dass wir noch mehr Kinder bekommen können. Und Veränderungen muss man akzeptieren, man muss sich an sie gewöhnen. Sicherlich wird es schwierig. Genauso wie es auch für den Herzenskerl und mich eine Veränderung gewesen ist Eltern zu werden, wird es auch für Carli eine Veränderung Schwester zu werden. Und für mich als Mama von mehr als einem Kind. Veränderungen sind oft schwierig und prozesshaft. Das muss aber nicht gleichsam bedeuten, dass sie auch negativ sind. Vielleicht sind diese Veränderungen schmerzhaft, weil man eine Sache gehen lassen muss zugunsten einer neuen, anderen. Vielleicht erfordern Veränderungen auch eine Menge Tränen, weil sie emotional sind. Und vielleicht ist es genau richtig, seinen Gefühlen einfach mal freien Lauf zu lassen und seine Gedanken aufzuschreiben. Denn welche Mutter wagt es schon, öffentlich zu bekunden, dass sie den Zustand vor K2-Kx vermisst. Das impliziert ja wohlmöglich, man würde K2-Kx nicht lieben. Aber das stimmt nicht. Das hat nichts miteinander zu tun. Das ist eben der Weg der Veränderung.

Ich lasse mich nicht fehlleiten von dem Text. Das ist weder seine Aussage, noch (so wage ich mal zu behaupten) Verenas Intention. Nein. Ganz kurz gestern Nacht vielleicht habe ich darüber nachgedacht, wie sehr ich dieses Gefühl nachempfinde. Aber nicht zukünftig. Denn ich empfinde auch jetzt schon so viel Liebe, wenn ich nur daran denke, wie hier mal zwei Kinder miteinander spielen und streiten.   Liebe habe ich genug in meinem Herzen für eine ganze Fußballmannschaft kleiner Carli’s, Carlos, Carlines und Carlchens.

Bild blog
Meine Geschwister, unser Hund und ich im Garten meiner Eltern.

 

 

 „Geschwister sind das größte Geschenk, dass Eltern ihren Kinder machen können.“

Das stimmt für mich – Das trifft auf mich zu.

Und warum sollte ich dann daran zweifeln, dass es für meine Tochter nicht ebenso wäre?

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17 Kommentare zu „Geschwister

  1. Sehr schöner Text. Ich habe selber auch zwei Schwestern und möchte, dass die Kabbe auch etwas Unterstützung hat beim Gross werden. Allerdings gingen inzwischen ausschließlich Halbgeschwister… daher muss es auch nicht unbedingt sein. Das volle Erlebnis, sich gemeinsam mit seinen Eltern herumzuschlagen, hätte sie sowieso nicht. Aber wir würden wohl etwas ganz Anderes daraus machen, auch unter dem Gesichtspunkt, dass sie nur 50 Prozent der Zeit bei uns ist. Das wird spannend, wenn das mal klappen sollte.

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    1. Ich glaube, es würde euer Familienleben auch bereichern. Auch wenn es Halbgeschwister sind, heißt das nicht, dass es unbedingt eine weniger innige Beziehung zwischen den Geschwistern geben muss. Vielleicht wäre es ja gerade deshalb schön für eure Krabbe noch eine Schwester/einen Bruder zu haben, der sie ein Stück ihres Weges begleitet.

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  2. Ich als Einzelkind hatte absolut keine Vorstellung was auf mich als Zweifachmama zukommt. Mit fehlten die Vorbilder aus der eigenen Familie. Unsicherheit im Vorfeld machte sich in meiner Magengrube breit, angefeuert von meiner Mutter, die mantraartig mit vorbetete, wie unmöglich es ist voll und ganz für mehr als ein Kind da zu sein. Wie gesagt: SIE hatte ja nur mich…. 😁 Meine Schwiegermutter malte in den schillerndsten Farben Entthronungsszenen aus, die ich natürlich NIE zulassen dürfte… Ich bekam Angst der Rolle nie gerecht werden zu können, mich zerrissen zu fühlen, unwohl, weil ich keinem der beiden Kinder mehr gerecht werden kann. Tag, und dann kam alles anders, weil meine Kinder es anders sahen… Sie haben aufeinander gewartet, sie lieben sich, sie brauchen sich, sie sind eine Einheit… Keine Entthronung, keine Eifersucht, kein Zukurzkommen – mehr als nur Geschwisterplüsch – Geschwisterliebe 💜
    Und wenn ich das jetzt sehe, macht es mich noch trauriger als damals, dass ich das nie erleben durfte. Ich vermisse noch heute einen Bruder oder eine Schwester gehabt zu haben, aber meine Eltern trauten sich nicht, wollten nicht mehr – für sie die richtige Entscheidung, für mich nicht.

    Liebe Grüße
    Mother Birth

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    1. Ich glaube auch nicht, dass es unbedingt schrecklich werden muss. Ganz im Gegenteil. Ich glaube, es ist einfach nur bereichernd, aber wie ich schon sage: Eine Veränderung. Und eine Veränderung kann eben auch sehr anstrengend sein für jeden individuell, für alle Beteiligten. Das hängt aber, so denke ich, von so vielen Faktoren ab. Nicht nur innerfamiliär sondern auch darüber hinaus.
      Du machst das schon richtig, wenn du deinen Kindern Geschwister schenkst, auch wenn du das nicht kennst. Denn ich habe mein ganzes Leben lang nur davon profitiert.

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  3. Jedes Mal wenn ich solche Gedanken lese, muss ich neu darüber nachdenken, was meine Standardantwort auf Fragen zu unserer Beziehung ist. Ich vergleiche nämlich oft die Liebe zu mehreren Kindern mit der Liebe zu mehreren Menschen/Partnern. In meinen Augen macht das auch durchaus Sinn, weil ich grundlegend so empfinde. Zuneigung wird nicht geschmälert, wenn es mehr Personen gibt, zu denen wir uns hingezogen fühlen. Ich kenne tatsächlich eine Mutter, die mir glaubhaft versichert hat, dass sie Probleme damit hat, alle ihre Kinder gleich intensiv zu lieben, aber ich persönlich halte das für eine Ausnahme.

    Ich kann ehrlich nicht sagen, dass ich einen meiner Zwillinge ‚lieber‘ hätte. Man liebt sie vielleicht individuell je anders, jeder Mensch ist ja auch eine eigene Persönlichkeit, welche uns auf ihre eigene Art und Weise anspricht, aber das wertet die Gefühle nicht ab.

    Meine Geschwister habe ich auch geliebt und ich wünsche mir für unsere Kinder noch ein Geschwisterchen in 2-3 Jahren. Eben auch weil ich die Kindheit mit meinen Geschwistern so schön fand.

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    1. Ich glaube auch, das Liebe unendlich viel im Herzen vorhanden ist und sich nicht aufteilen muss. Man liebt seine Kinder/Partner ja auch für ihre besonderen Eigenschaften etc.
      Aber wie geht es dir mit dem Stichwort Aufmerksamkeit? Hast du da das Gefühl „allen“ gerecht zu werden? Gerade, weil du ja auch viel arbeitest und dann noch die Zwillinge und die Männer – hihi. du Bist also im Gegensatz zu mir 200% ausgelastet!
      Aber wie gesagt, mit Liebe kann das nicht erklärt werden, das sind wirklich seltene Ausnahmen, denn man (ich behaupte das jetzt mal so) muss seine Kinder doch lieben. An der Liebe kann es nicht scheitern. Liebe, Liebe, Liebe! <3456789

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  4. Hat dies auf Lächeln und Nicken rebloggt und kommentierte:
    Anlässlich dieses Beitrags von familienzuschlag, hatte ich bei den Kommentaren etwas zu unserer Beziehung und dem Konzept von Liebe geschrieben. Die Gegenfrage bezog sich dann auf Aufmerksamkeit und Zeit und ich denke, dass die Antwort den Kommentarbereich wohl sprengen würde. Deswegen antworte ich hier mit einem eigenen Beitrag.

    familienzuschlag fragte: „Aber wie geht es dir mit dem Stichwort Aufmerksamkeit? Hast du da das Gefühl “allen” gerecht zu werden? Gerade, weil du ja auch viel arbeitest und dann noch die Zwillinge und die Männer – hihi. du Bist also im Gegensatz zu mir 200% ausgelastet!“

    Tatsächlich ist die einzig wirklich endliche Ressource in einem komplexen Familiengefüge die Zeit. Viele Aspekte unseres Alltags sind ‚durchgetaktet‘ und oft stellt dieser Zustand einen nicht unbedingt zufrieden.

    Mit den Kindern und den Männern ist es aber unterschiedlich. Die Kinder kennen nur die Art von Alltag, die wir ihnen bieten können. Das heißt in Hinblick auf ihr Zeitkonto bei mir: Es ist knapp, es reicht an manchen Tagen nur für einige Minuten und dann fordern sie auch vehementer nach mir. Ich versuche die Zeit, die ich mit ihnen verbringen kann, sehr intensiv zu gestalten. Wir Spielen dann viel, ich versuche ihnen auch etwas neues zu zeigen und generell voll für sie da zu sein.

    Was die Beziehungen angeht, so gibt es durchaus eine unterschiedliche Wahrnehmung zwischen meinem Mann und meinem Freund. Ihm ging es quasi anfangs ähnlich wie den Kindern. Es war schon ein Alltag, eine Person da, mit der er sich meine Zeit teilen musste. Das stellte somit erst mal nur eine kleine Hürde für uns dar.

    Anders bei meinem Mann. Er war gewohnt mit mir alleine zu sein und merkte schon die Umstellung, die eine neue Person in der Familie, die auch Zeit und Aufmerksamkeit von mir forderte, bedeuten kann. Ein bisschen war es wohl so, als hätten wir ein Kind bekommen, wenn ich es jetzt im Nachhinein beschreiben sollte 😉 (Vom Zeitfaktor her gesehen.)

    Ob ich das Gefühl habe allen gerecht zu werden: Verglichen mit den Möglichkeiten, die man bei 100% Verfügbarkeit theoretisch hätte; nein, ich werde niemandem insofern gerecht. Aber das sind unrealistische Erwartungen und letztlich kann man nur Prioritäten setzen und bewusst Zeit für die Lieben schaffen, die einem am Herzen liegen. Ich würde mir oft mehr Zeit wünschen, mehr Stunden am Tag, weniger Schlaf. Aber das ist natürlich auch unrealistisch ^.^

    Somit lautet meine Antwort: Nach meinen Möglichkeiten denke ich schon, dass ich die oberste zeitliche Priorität immer bei meiner Familie ansetze und auch meine Männer immer Paarzeit mit mir erhalten, wenn möglich.

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  5. Ein wirklich schöner Beitrag! ❤ Es stimmt leider, dass man Aufmerksamkeit (nicht zu verwechseln mit Liebe) an das zweite Geschwisterchen abgeben muss. Aber dafür entstehen eben auch ganz neue Momente, die man mit einem Kind niemals erleben würde, so zum Beispiel die Interaktion zwischen den Kindern (wie Du ja auch schon geschrieben hast). Für mich war auch immer klar, dass ich noch ein zweites Kind haben würde und ich habe es nicht bereut (auch wenn es nicht immer einfach war).
    LG Wiebke

    Gefällt 1 Person

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