familienzuschlag · Gedanken zur Vereinbarkeit

Bildet Netzwerke! #Gedanken zur Vereinbarkeit

Ihre Gedanken zur Vereinbarkeit teilt mit uns heute die Jongleurin. Als berufstätige Mutter, die eine Zeit lang sogar fast 300 km (!!!!!!!!!) zur Arbeit gependelt ist, hat sie bereits einige Erfahrungen sammeln dürfen.

Viel Freude beim Lesen und ich hoffe, ihr bekommt den ein oder anderen neuen Denkanstoß!

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Quelle: pixabay.com

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Arbeit, Kind und Zeit für mich

Was Vereinbarkeit angeht – und zwar die von Arbeit, Kind und Zeit für mich, die ich immanent wichtig finde – befinde ich mich in einer recht komfortablen Situation: ich bin vom Vater meiner dreijährigen Tochter getrennt (gut, das ist nicht der komfortable Teil), und er betreut sie die Hälfte der Zeit, wenn er nicht gerade auf Surfreisen ist (in diesem Jahr ca. 20 Wochen pro Jahr). Montags bis Mittwochs ist sie bei ihm, Mittwochs bis Freitags bei mir, an den Wochenenden wechseln wir uns ab. Außerdem arbeite ich pro Woche 30 Stunden, was einen freien Tag für mich bedeutet.

Das heißt, dass Ich-Zeit hauptsächlich an den kinderfreien Tagen Montags bis Mittwochs stattfindet. Mittwochs ist mein arbeitsfreier Tag, da erledige ich also viele Termine, aber auch Sport und herumlungern, wenn ich es brauche. Auch Überstunden auf der Arbeit oder Verabredungen lege ich mit Vorliebe an den Anfang der Woche. Fällt sonst noch etwas an, springt mein Freund bei Möglichkeit ein. Wir leben seit 1,5 Jahren zusammen, und er ist sehr engagiert mit meiner Tochter. Die alltäglichen Aufgaben teilen wir ganz gut zwischen uns auf. Über einen Mangel an Ich-Zeit kann ich mich also nicht beschweren.

Drei Erwachsene und ein Kind

Das bedeutet bei uns: drei Erwachsene kümmern sich in jeweils recht großen Volumina um ein Kind. So klappt Vereinbarkeit extrem gut. Zusätzlich habe ich weitere Backups: die besten Nachbarn mit einer Tochter im selben Alter sind immer hilfsbereit und ansprechbar, meine Schwestern und mein Vater ebenso, und im Bekanntenkreis hätte ich auch keine Hemmungen, mal um Hilfe zu bitten. Es war noch nie nötig, aber da würde ich gar nicht zögern, weil ich denke: Netzwerke müssen eben irgendwo anfangen. Ich bin Soziologin und finde die im Studium kennengelernte Idee des Sozialkapitals sehr einleuchtend: wer es in Anspruch nimmt, erzeugt für die anderen ein Guthaben, das diese wiederum nutzen können. Sozialkapital wächst, indem man es nutzt.

Zu Notfällen kommt es sehr selten. Meine Arbeit ist relativ flexibel, es ist meist kein Problem, dass ich auch spontan zu Hause bleiben kann. Außerdem trifft mich eine eventuelle Krankheit des Kindes immer höchstens zwei Arbeitstage pro Woche, da mein Ex die anderen Tage übernimmt bzw. ich frei habe. Bisher ist das aber wenig nötig gewesen. Meine Tochter ist ein „Rotznasen“-Kind: ständig eine grüne Kruste rund um Mund und Nase, die nicht schön ist, aber offensichtlich Schutz vor Krankheiten bietet. Sie ist äußert selten nicht kita-fähig.

Haupt-Schlüssel zur Vereinbarkeit sind die Väter

(Diesen Absatz schrieb ich schon bei der Juristin:) Meines Erachtens und meiner Erfahrung nach ist der Haupt-Schlüssel zur Vereinbarkeit die Väter. Wenn diese ihre Hälfte übernehmen, muss frau nur noch die Hälfte vereinbart bekommen, und das ist schon mal sehr viel einfacher als das Große Ganze, unabhängig vom Volumen der eigenen Erwerbsarbeit. Deshalb wünsche ich mir politische Instrumente, die die Männer stärker einbinden und ich wünsche mir Männer, die die Eier in der Hose habe, zu ihren Entscheidungen – also Kindern – zu stehen und sich um diese zu kümmern und das auch einzufordern, sei es gegenüber ihren Arbeitgeberinnen oder ihren Partnerinnen. Verpflichtend paritätische Elternzeit, Aufgabe des Ehegattensplittings, Sensibilisierung von Vorgesetzten, Teilzeitmodelle vor allem für Männer sind nur ein paar Ideen, die ich enorm hilfreich fände. Dann klappt es wahrscheinlich öfter (sogar nach einer Trennung) mit der Vereinbarkeit.

Netzwerke

Wenn die Männer nicht können, nicht wollen oder nicht ausreichen, sind Netzwerke das allerwichtigste, um ein Kind groß zu ziehen. Es entspannt alle Beteiligten: die Eltern, die entlastet werden. Die Kinder, die mehr Kontakte bekommen. Und die Gesellschaft, die dadurch ein gutes Teil kinderfreundlicher werden kann, wenn Kinder nicht nur in ihren Kernfamilien stattfinden. Bildet Netzwerke! Oder, was noch einfacher ist: nutzt die Netzwerke vor Ort. Die anderen Kita-Eltern, die Nachbarn, die Menschen aus dem Rückbildungskurs.

Das ist oft leichter gesagt als getan, denn gerade Müttern wird viel suggeriert, dass sie alles alleine schaffen müssen. Sich davon freizumachen, kann sehr viel Energie kosten, und wenn man dann noch schüchtern ist, wird es doppelt schwierig. Ich für meinen Teil bin jetzt nicht die Mega-Socializerin. Ich kann das schon, wenn es sein muss, aber oft finde ich es anstrengend und unangenehm, und diese Leute oft…! Nee, da vergeht es mir auch. Trotzdem: mit Kindern, und vielleicht sogar allein erziehend, BRAUCHT man Netzwerke. Sicherlich muss man sich mal aus der Komfortzone herauswagen, um Hilfe bitten oder welche anbieten, aber es lohnt sich so dermaßen! Wenn man sich nicht traut, um Hilfe zu bitten, dann bietet man vielleicht zuerst welche an. Man muss ja mit den Eltern gar nicht viel reden. Man setzt sich einfach neben die Kinder und lächelt ab und zu, und dann sagt man: „Ich kann auch gerne mal deinen xy mit aus der Kita abholen, ich arbeite Dienstags eh immer kurz.“ Dafür muss man die anderen Eltern nicht mal nett finden, es geht hier auch und gerne um Zweckgemeinschaften. Wenn ich mich entscheiden müsste: eine halbe Stunde mit nervigen anderen Eltern quatschen, die dafür mal mein Kind von der Kita abholen, oder alles alleine wuppen – da weiß ich, was zu tun ist.

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Hier findet ihr die weiteren Beiträge zu #Gedanken zur Vereinbarkeit:

Schnuppismama: Von der Vereinbarkeit des realen Lebens mit dem Paralleluniversum ich bin Mama

Ms Phye: Vereinbarkeit von Ich und Kinder – nicht möglich?!

geborgen und geliebt: Ich versuche es allen anderen recht zu machen – ja, aber was ist denn mit mir?

Motherbirth: Vereinen statt Trennen.

Sys/adm/ama: Ich bin, wer ich bin.

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2 Kommentare zu „Bildet Netzwerke! #Gedanken zur Vereinbarkeit

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