familienzuschlag · Gedanken zur Vereinbarkeit

Vereinen statt Trennen – #Gedanken zur Vereinbarkeit

Ich freue mich sehr über die nächste Gastautorin: Mother Birth ist Mutter von zwei Kindern und widmet ihren Blog inbesondere Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Stillen und ihren Erfahrungen mit ihren Kindern. Im Zentrum steht bei ihr aber alles rund um #positive Geburtkultur – ein sehr spannendes und besonders wichtiges Thema in unsere Gesellschaft, die dazu neigt zu viel zu pathologisieren.

Quelle: pixabay.de

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Als die liebe JULI von Familienzuschlag mich fragte, ob ich etwas zum Thema „Vereinbarkeit“ schreiben möchte, stand ich zunächst völlig auf dem Schlauch. Ich und Vereinbarkeit? – Ich arbeite doch gar nicht! Ich verstand überhaupt nicht worauf sie hinaus wollte. Mein Wortverständnis war so sehr von dem Vereinbarkeitspaar: ARBEIT & KIND bestimmt, dass es mir überhaupt nicht in den Sinn kam, dass man das Wort VEREINBARKEIT natürlich auch in vielen anderen Kontexten verwenden kann 😉 …

Anmerken möchte ich unbedingt noch, dass es sich um meinen individuellen Vereinbarkeitsweg handelt. Es ist einer von vielen verschiedenen Wegen, die zum Ziel führen können. Es ist lediglich eine Möglichkeit, ein Beispiel, was aber bei uns passend war und ist.

Vereinbarkeitspaar: SPORT & KIND

Nach der Geburt von meinem ersten Kind habe ich gedacht: Ich und Sport? – Das wird nichts! Was mache ich denn bloß mit dem Baby? Wem kann ich mein Kind in dieser Zeit anvertrauen? Der mögliche Personenkreis war nicht sehr groß, da mein Sohn nur bei seinen engsten Bezugspersonen geblieben ist, ohne wahnsinnig zu weinen. Das hätte ich mit meinem Mama-Herz nicht vereinbaren können. Ein weinendes Kind im Fitnessclub in die Betreuung geben? – Ich hätte nur ein schlechtes Gewissen und keinen Spaß am Sport. Das ist nicht meine Vorstellung von Vereinbarkeit gewesen, wenn das Negative auf beiden Seiten überwiegt. So geht es für uns einfach nicht. Die einzig gangbaren Alternativen: die Großeltern oder der Papa. Allerdings sind beide Großelternpaare Rentner, bei denen lange ausgedehnte Reisen hoch im Kurs stehen, und mein Mann: der ist beruflich sehr viel unterwegs, so dass an regelmäßigen Sport für mich nicht zu denken war. Ich war enttäuscht und hatte es für mich irgendwie schon abgehakt. Dann über ein Jahr nach der Geburt, bin ich durch Zufall mit einer Freundin ins Gespräch gekommen und sie fragt mich: „Willst du nicht mal mit zum Kurs: „Bodystyling mit Kid“ kommen?“ Ich war skeptisch, aber auch neugierig. Seit dem ersten Probetraining bin ich restlos begeistert! Ich kann meine Kinder problemlos mitbringen, sie dürfen zu meinen Füßen spielen, ich kann sie bei Bedarf in die Trage nehmen oder sie krabbeln/ laufen vergnügt durch die Halle und spielen mit den anderen Kindern. Wundervoll. Ein Kleinod, dass ich für mich unbedingt erhalten möchte. Anfangs war ich  richtig fixiert auf nur einen möglichen Lösungsweg: das Kind MUSS abgegeben werden, damit ich Sport machen kann. Das war der falsche Ansatz für uns – ich habe es nur nicht gesehen. Bin einfach blind den Vorschlägen anderer gefolgt ohne meinem eigenen individuellen Weg zu suchen, der passgenau für mich und mein Kind ist. Jetzt haben wir ihn gefunden: unsere beiden Bedürfnisse werden berücksichtigt und das Positive überwiegt. Das ist für mich Vereinbarkeit J!

 Vereinbarkeitspaar: (SKI-)URLAUB & KIND

Ski-Urlaub mit Kleinkindern ist für viele undenkbar! Aber warum? Unsere individuelle Vereinbarkeitslösung sieht in den Kernpunkten, wie folgt aus:

Ich und mein Mann haben beide unsere Me-Time – d.h. wir fahren getrennt Ski – , die wir sehr genießen und für uns als wertvoll wahrnehmen. Mit den Kindern zusammen bleibt aber auch noch definitiv genug Family-Time. Aus meiner Sicht ist das Verhältnis zwischen Me- und Familiy- Time ausgeglichen, so dass sich niemand zurückgesetzt fühlen muss. Der sehr strukturierte Tagesablauf ist keine einengende Routine für uns, sondern dient eher als zuverlässiges Grundgerüst. Jeder kann sich darauf verlassen, dass seine Bedürfnisse Raum beziehungsweise Zeit finden. Damit gibt es keine enttäuschten Erwartungen, was eine sehr wichtige Voraussetzung für einen harmonischen Urlaub ist.

Natürlich müssen wir als Eltern auch Abstriche machen – aber eben nicht nur im Urlaub. Es werden mir vermutlich viele zustimmen, dass sie ihr Freizeitverhalten mit Kindern einfach verändert haben. Man macht andere Aktivitäten als Familie. So auch im Winter- bzw. Skiurlaub. Das ist auch ok so, finde ich! Wir können zurzeit zum Beispiel nicht mehr gemeinsam Ski fahren. Das ist zwar schade, aber wir wissen, dass die Zeit wiederkommen wird, wo wir dies ausgiebig nachholen werden. Darauf freuen wir uns schon J!

Wer es jetzt noch genauer wissen möchte, kann gerne hierzu meinen ausführlichen Blogartikel lesen: Vereinbarkeit im Schnee

 Vereinbarkeitspaar: HAUSHALT & KIND

Immer wieder hörte ich im meinem Freundeskreis: „Ich komme überhaupt nicht zum Haushalt – wegen den Kindern!“ Die Kinder müssen entweder „schlafen“ oder „aus dem Haus sein“ damit man zu etwas kommt. Es scheint bei vielen so, dass putzen, Wäsche machen, Staub saugen oder wischen mit Kindern nicht zu vereinbaren ist. Wieso eigentlich? Nach der Geburt meines ersten Kindes habe ich auch immer manisch versucht in den Schlafphasen alle Hausarbeiten zu erledigen. Das klappte anfangs ziemlich gut, da Neugeborene noch recht viel schlafen ;-). In Bedrängnis kam ich dann, als sich die Wachphasen deutlich ausdehnten. Wie sollte ich das bloß alles schaffen? Ich war am verzweifeln! Dann startete ich einfach einen Versuch mit Kind. Und? – es machte mit, hatte sogar Spaß daran! Mein kleines Baby sah das Putzen als SPIEL an! So hatte ich es noch nie betrachtet. Kinder lernen durch Nachahmung und sie wollen lernen – sind wie kleine Schwämme – immer. Also erdachte immer wieder altersgerechte Haushaltsaufgaben. Das Kind war begeistert, der Haushalt gemacht und ich war nicht mehr so gestresst. Ich hatte jetzt sogar die Muße, die Ruhezeiten des Kindes für mich zu nutzen, anstatt mich panisch in die Hausarbeit zu stürzen. Ich hatte was gewonnen: Me-Time! J Diese künstliche Trennung von Haushalt und Kind kann ich heute gar nicht mehr nachvollziehen. Es fühlt sich für mich so natürlich an, wenn meine Kinder im Haushalt mitmachen. Es gibt unendliche Möglichkeiten um Kinder altersgerecht einzubinden und sie haben Freude daran, fühlen sich groß und lernen viele wichtige Fertigkeiten ganz nebenbei.

 

Ich könnte hier noch viele Vereinbarkeitspaare aus meinen Leben vorstellen, aber ich würde mich wahrscheinlich wiederholen 😉 … Eins haben alle Beispiele gemeinsam:

Ich habe zuerst versucht etwas zu trennen, was eigentlich wunderbar zusammenpasst – ich konnte es nur nicht sofort erkennen. Deshalb habe ich es auch VereinbarkeitsPAAR genannt! Als ich beide Teile des Paares voneinander getrennt habe, konnte ich sie nicht vereinbaren, erst als ich sie vereint hatte, konnte ich sie auch vereinbaren! Das war eine wahnsinnig große Erkenntnis für mich! Sie hilft mir in fast allen Lebensbereichen mit meinen Kindern. Falls sich mir mal wieder die Frage nach der VEREINBARKEIT stellen sollte, werde ich sie aus heutiger Sicht immer mit den Worten: „Nicht ohne meine Kinder!“ beantworten ;-). Damit bin ich bis jetzt am besten gefahren. Deshalb wünsche ich mir auch, dass meine Kinder bei der Geburt unseres nächsten Babys anwesend sind – kein Wegorganisieren, kein Weinen, kein schlechtes Gewissen. Ich werde bestimmt noch mal auf meinem Blog berichten, ob dieses spezielle Vereinbarkeitspaar: GEBURT & KIND(-ER) auch so gut funktioniert, wie die anderen. Ich bin gespannt J

 

Eure Mother Birth

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Hier findet ihr die weiteren Beiträge zu #Gedanken zur Vereinbarkeit:

Schnuppismama: Von der Vereinbarkeit des realen Lebens mit dem Paralleluniversum ich bin Mama

Ms Phye: Vereinbarkeit von Ich und Kinder – nicht möglich?!

geborgen und geliebt: Ich versuche es allen anderen recht zu machen – ja, aber was ist denn mit mir?

Jongleurin: Bildet Netzwerke!

Sys/adm/ama: Ich bin, wer ich bin.

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6 Kommentare zu „Vereinen statt Trennen – #Gedanken zur Vereinbarkeit

  1. Das mit dem Haushalt kann ich unterschreiben. Die Kinder machen so gerne mit, man braucht etwas mehr Zeit als wenn man es schnell alleine macht, aber den Stress tu ich mir auch nicht mehr an. Das Gute am gemeinsamen hauswirtschaften ist, dass man die Kinder beschäftigt hat und eben auch etwas geschafft bekommt.

    Natürlich müssen die Aufgaben angepasst sein, die Teller reichen sie mir aus dem Geschirrspüler erst an, seit ich mir recht sicher bin, dass sie sie nicht fallen lassen 😉 Aber Wäsche und Co z.B. war von Anfang an ein super Spiel für alle.

    Gefällt 2 Personen

    1. Der nette Nebeneffekt ist ja auch, dass es oft mehr Spaß macht solche Arbeiten gemeinsam zu verrichten als auf Zehenspitzen während des Mittagsschlafs (oder abends). Und man hat dann die Schlafenszeiten der Kinder eventuell mehr Luft für die schöneren Dinge!

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  2. Ein sehr schöner Artikel und ein toller Gedanke! Bei uns war es anfangs auch so, dass wir versucht haben, alles Mögliche während der Schlafenszeit zu organisieren. Wie Mother Birth schon schrieb, ging das aber irgendwann nicht mehr.
    Ich habe dann irgendwann versucht, irgendetwas im Haushalt zu schaffen, während unsere kleine Maus wach war und war ziemlich frustriert, denn das gefiel ihr gar nicht. Jetzt, seitdem sie sich auch selbst fortbewegen kann, hat sich das endlich geändert. Seit Neuestem liebt sie z.B. den Staubsauger 😉 Ich glaube, auch wenn Vieles vielleicht nicht so einfach klappt, muss man einfach immer mal wieder probieren. Ich selbst erinnere mich z.B. sehr positiv an meine Kindheit und an die Zeiten, in denen ich mit meiner Mutter zusammen irgendetwas im Haushalt gemacht habe (und selber noch klein war).

    Auch mein Mann und ich mussten erst lernen (und lernen immernoch), dass ein waches Baby nicht bedeutet, jetzt nichts anderes mehr tun zu können 🙂

    Liebe Grüße
    Steffi

    Gefällt 2 Personen

    1. Mir hat der Artikel auch nochmal einen Denkanstoß gegeben. Ich suche aktuell nach Situationen in denen ich das Vereinen optimieren kann. Ich nehme Carli zum Beispiel jetzt für 1h mit zur Schule in die AG nachdem ich das vorher mit der hauptverantwortlichen Lehrerin abgeklärt habe. Das erleichtert uns gerade so viel! Mein Freund macht dadurch weniger Minusstunden und kann entspannter an anderen Tagen früher zurück fahren, um bei Carli zu sein. Und für mich ist es eine emotionale Erleichterung, weil ich mehr Zeit mit ihr habe. Carli gefällt es da außerdem total gut und die Schülerinnen finden sie zuckersüß. Eine winzige Kleinigkeit, die so viel Positives mitbringt!
      Manchmal hat man einfach einen Knoten im Kopf und denkt, es muss alles getrennt voneinander gehen.

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