familienzuschlag · Gedanken zur Vereinbarkeit

Vereinbarkeit von Ich und Kindern – Nicht möglich!? #Gedanken zur Vereinbarkeit

Ms Phye ist Mama von Zwillingen, (hat) studiert, nebenbei gearbeitet und sich die Nächte um die Ohren geschlagen. Vereinbarkeit von „Ich“ und Kindern schien für sie eine zeitlang nicht möglich, es galt nur funktionieren. Mit Ende des Studiums hat sie wieder mehr Luft – auch für sich selbst und schönerweise auch zum bloggen! Als nächstes Projekt steht das Referendariat auf dem Plan.

Quelle: pixabay.de

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Das Jonglieren mit den Realitäten meiner Identitäten – oder: Mama, Brötchenverdienerin und Einfach-Ich

Um ehrlich zu sein habe ich mir bisher keine expliziten Gedanken dazu gemacht, ‚wie wir das eigentlich hinbekommen‘. Wir haben hauptsächlich getan in den 18 Monaten seit die Zwillinge bei uns sind. Es gab immer genug, was uns auf Trab gehalten hat, auch vorher schon, aber Kinder sind einfach nochmal eine andere Hausnummer als der ’schnöde Alltag‘ von simplen Beziehungen (ja, richtig gelesen – Plural).
Was es bei mir/uns zu vereinbaren gilt: Studienabschluss, Vollzeitarbeit, schwere Krankheit, Säuglinge/Kleinkinder und sehr viele Kita-Viren.

Vereinbarkeit von Studium und Kleinstkindern

Ich empfand das Studium immer als entspannend. Rückblickend betrachtet, hätte ich die Kinder gerne mittendrin bekommen, da das Examen mit Säuglingen wirklich anstrengend gewesen ist. Was für ein Luxus es war, sich einfach mal ein paar Tage oder Wochen x Stunden pro Tag für die Bücher zu nehmen, in Themen zu versinken und die Bibliothek ungestört zu durchstöbern merkt man erst wirklich, wenn man freie Zeit im Büro nur noch mit schlechtem Gewissen freischaufeln kann, vom Versinken in jeglichem Themengebiet durch jeden noch so kleinen Laut aus dem Rest der Wohnung abgehalten wird und die Zeit in der Bibliothek so kurz wie möglich hält, da man nie weiß, wann das kleine Bündel im Tragetuch anfängt unruhig zu werden und die heilige Ruhe dort stört.
Und dazu das schlechte Gewissen, weil man die Kinder ja ‚ignoriert‘, die einen selbstverständlich 24/7 brauchen und ein anrecht auf Zuwendung und körperliche Nähe der Mutter haben und sie in ‚fremden‘ (familiären) Händen in der Zeit lässt. Konzentration in Seminaren ist auch so ein Ding, wenn einem die Brüste schon schmerzhaft spannen und man noch eine gute Stunde Heimfahrt zu den Kindern einrechnen muss.
Das alles wäre in einer ruhigeren Phase des Studiums sicher besser machbar gewesen. Doch in den Prüfungsphasen, die Examensarbeit nebenher noch auf dem Tisch liegend, war das eine andere Geschichte. Wären sie älter gewesen, hätten sie schon wie jetzt den halben Tag in der Kita verbracht, ich denke, es wäre fast angenehm gewesen.

Vereinbarkeit von Arbeit und Kindern

In der Form, wie ich es letztlich handhaben musste, nicht ohne gesundheitlichen Schäden möglich. Da wir zusätzliche finanzielle Verpflichtungen eingegangen sind mit Ankunft der Kinder (Haus und Kita als einschneidenste Faktoren), musste ich neben dem Studium arbeiten gehen. Die einzige Zeit, die sich dafür anbot, war nachts. Also arbeitete ich neben dem Examen und der Kinderbetreuung, 40h Vollzeit in Nachtschichten. Geschlafen habe ich in den Stunden, wo sie betreut wurden oder abends, nachdem sie im Bett waren und bevor ich um 22 Uhr zur Arbeit antreten musste, die morgens um 6 Uhr endete. Kam ich nach Hause, übernahm ich die Kleinen, machte sie fertig und brachte sie zur Kita. Eine Zeit, die ich nie wieder erleben will.
Wir hatten auch Unterstützung. Die (Schwieger-)Mütter kamen vorbei, halfen an einigen Tagen in der Woche aus, was ich dann zum Lernen oder Schlafen nutzte. Auch in der Anfangszeit mit den Kindern, war die Familie immer zur Stelle, eine Hilfe, die man gar nicht genug schätzen konnte.

Vereinbarkeit von Krankheit und Kindern

Wir haben die besondere Situation, dass mein Freund schwer Herzkrank ist. An einigen Tagen kommt er nicht mal direkt aus dem Bett und muss (teilweise über Stunden) erst Kräfte sammeln, bevor er aufstehen kann. Das macht uns häufig einen Strich durch etwaige Termine und lässt uns spontan umplanen. Auch auf Hilfe von außen ist man so öfter mal angewiesen.
Und dann ist da ja noch die Kita. Seit die Kinder die kleinen Füße über die Schwelle dort gesetzt haben, sind sie krank. Seit sieben Monaten nun schon. Magen-Darm, Schnupfen, Grippe, Pseudo-Krupp, diverse Entzündungen von Hals und Ohren sowie fiebrige Infekte … wir haben einiges durch. Die einzigen Tage, wo sie tatsächlich gesund waren, war nach Beginn der Weihnachtsferien. Schöne zwei Wochen, wirklich.
Auch wenn wir uns als widerstandsfähiger erwiesen haben, als ich erwartet hätte, 3-4 Infekte hat jeder von uns ebenfalls mitgenommen. Was bei meinem Freund zu einer generellen Verschlimmerung seines Gesamtzustandes beitrug. Auch hier sprang die Familie als letzte Rettung ein, wenn wir nach andauerndem MD Infekt fiebrig und ziemlich am Ende unserer Kräfte dann die weiße Fahne gehisst hatten.

Vereinbarkeit von Ich und Kindern

In den ersten Jahren würde ich jetzt mal ziemlich nüchtern sagen: Nicht möglich. Es bleibt keine Zeit, wenn man so viele Aufgaben gleichzeitig erfüllen soll. An welchen Stunden pro Tag soll ich noch Zeit, und wären es nur Minuten, herausquetschen für mich persönlich? Zumindest bis Dezember letzten Jahres war mir das nicht möglich, ich hatte mich in den verschiedenen Rollen soweit wie möglich aufgeteilt und erfüllte sie irgendwie. Auch für Partnerschaften, über die Elternrolle hinaus, haben wir kaum einmal einen Moment gefunden. Je älter die Kinder werden, desto besser stellen wir uns jedoch in diesem Punkt auf, wie ich beobachten konnte.
Als ich dann das Examen in der Tasche hatte und die Arbeitsstelle wechseln konnte, wurde es besser. Ab morgen dann auch die Erweiterungsprüfung und dann bleiben mir unglaubliche 5 Wochen, in denen ich nur ein paar Deutschstunden nebenher geben werde und ansonsten nichts weiter tun muss, als nachmittags die Kinder betreuen. Ich habe mir einiges vorgenommen für diese Übergangszeit bis zum Ref und ich plane sie zu genießen 🙂 Außerdem wartet das Kinderzimmer seit Oktober (!) darauf, von mir fertiggestellt zu werden.

Lösungsansätze

Wir finden uns ja gerade erst so richtig in die Familiensituation ein. Es ändert sich auch noch viel in unserem Alltag, weswegen wir keine festen Strategien oder Lösungen für immer wiederkehrende Probleme haben. Wenn Unerwartetes passiert und man Termine hat, die sich nicht schieben lassen, konnte bisher immer jemand aus dem Familienkreis einspringen. Das werden wir sicher auch in Zukunft in Anspruch nehmen müssen.
Die Vorstellung mit kleinen Kindern alleine vor Ausbildung und Berufsalltag zu stehen, ist eine sehr beunruhigende für mich und ich kann mir nicht einmal im Geringsten vorstellen, wie Alleinerziehende das bewältigen.
Ich werde mich sicher noch öfter hier oder an anderer Stelle nach Lösungen für neue Probleme umschauen müssen, wenn mein neuer Arbeitsalltag im Referendariat dann beginnt. Die Ausmaße, in denen dieses auf die Frage Vereinbarkeit von Job und Kind einwirken wird, kann ich gerade noch gar nicht abschätzen.
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Recht vielen Dank für die Anregung zu diesem Beitrag möchte ich an Familienzuschlag aussprechen, die erste, die mich und meine anfänglichen Blogversuche hier entdeckt hat 😉
Liebe Grüße
Ms Phye

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Hier findet ihr die weiteren Beiträge zu #Gedanken zur Vereinbarkeit:

Schnuppismama: Von der Vereinbarkeit des realen Lebens mit dem Paralleluniversum ich bin Mama

geborgen und geliebt: Ich versuche es allen anderen recht zu machen – ja, aber was ist denn mit mir?

Motherbirth: Vereinen statt Trennen.

Jongleurin: Bildet Netzwerke!

Sys/adm/ama: Ich bin, wer ich bin.

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3 Kommentare zu „Vereinbarkeit von Ich und Kindern – Nicht möglich!? #Gedanken zur Vereinbarkeit

  1. Vielen Dank für den positiven Zuspruch. Wobei ich gerade wirklich überlegen musste, wann ich das letzte Mal ehrgeizig genannt wurde 😉 Für die meisten ist das was ich tue eher ’notwendig‘ und ‚der Situation angemessen‘. Wobei ehrgeizig dann doch noch wertschätzender klingt 😀

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