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Prolog UB No 3: Arbeiten mit Kind

Die Vorbereitungen für meine Unterrichtsbesuche konnte ich bisher immer gut in unseren Alltag einbinden.  Natürlich sind die Tage kurz vorher auch stressiger, aber in einem annehmbaren Rahmen, der trotzdem noch schöne Familienaktivitäten erlaubt.

Termine vereinbaren

Als ich im Dezember den Termin für meinen GUB, sprich gemeinsamen Unterrichtsbesuch, vereinbart habe, hatte ich im Vorfeld einige Überlegungen gehabt.

Zur Erklärung: Der GUB ist im Gegensatz zu normalen Unterrichtsbesuchen wichtiger für die Beurteilung und Benotung. Es kommen sowohl Fachleiter als auch Pädagoge und Schulleiter. (3 Menschen, die dir Kritik geben) und es muss ein langer Unterrichtsentwurf verfasst und bis zum Vortag um 12h abgegeben werden.

Meine Überlegungen hinsichtlich des Termins waren folgendermaßen:

  • Der Herzenskerl hat Elternzeit und hilft mir beim Schreiben.
  • Carli, die ja seit 6 Wochen in die Kita geht, ist eingewöhnt und ich kann die Zeit, die sie weg ist produktiv nutzen,  um dann schöne Sachen mit ihr zu machen.
  • Der Tag ist vor den Osterferien – ich kann mich also danach erholen.

Klingt nach einer guten Planung.
Faktisch sah die Vorbereitung aber wie folgt aus:

Da Carli ständig krank wurde, sind wir im Eingewöhnungsplan erst bei Woche 3,5. Eine schwere Magen-Darm-Grippe ereilte uns just 2 Wochen vor GUB-Termin,  so dass wir ziemlich außer Gefecht waren.  Die geplanten Arbeitszeitfenster, in denen sie in die Kita gehen sollte, existierten nicht. Der Herzenskerl konnte sich also nicht um mich kümmern, sondern wurde hauptberuflich Carli-Betreuer.

Vereinbarkeit

An dieser Stelle wurde ich mit dem Bergiff Vereinbarkeit in seiner vollkommenen Bedeutung konfrontriert. Denn gerade in Zeiten in denen nicht alles nach Plan läuft, werden einige Kompetenzen der Familie besonders geschult: Flexibilität, Ausdauer, Geduld, Improvisation und nicht zuletzt auch starke Nerven. Im Detail bedeutet das für mich vor allem eins: Ich hatte plötzlich keine Zeit mehr für mein Kind. Und wenn, nur in kleinen Zeitfenstern, in denen ich bereits ausgelaugt und angespannt gewesen bin. Ich empfinde die letzten 10 Tage als sehr unglücklich in ihrer Struktur und hätte mir hier gewünscht, dass es anders gelaufen wäre. Nichts destotrotz hat die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch in diese Phase funktioniert*.

  • Ich konnte meinen Beruf ausüben
  • Carli wurde auch in meiner Abwesenheit bedürfnisorientiert betreut (ihr Papa, meine Mama)
*funktioniert bedeutet nicht, dass ich es alles supi toll fand, aber das Ergebnis war annehmbar.
Neue Arbeitsplätze finden

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Da Carli ja krank gewesen ist, war sie mit dem Herzenskerl zuhause. Deshalb musste ich mir neue Arbeitsplätze suchen, um mich nicht von den beiden ablenken zu lassen. Außerdem haben wir festgestellt, dass es für Carli schwierig ist, wenn sie weiß, dass ich da bin und keine Zeit für sie habe. Also habe ich mich entweder in ein Café um die Ecke gesetzt oder bin zu einer Freundin ausgewichen. Bibliothek, Seminar oder Schule als Arbeitsplätze kamen für mich nicht in Frage, da ich gerne in Carlis Nähe sein wollte, falls sie mich doch dringender brauchen würde.

Unterstützung
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Der Kerl arbeitet an meinem Entwurf. Ich portraitiere ihn. Prokrastination kann ich.

Ich hatte die letzten Tage wirklich viel Unterstützung. Und ich muss sagen, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben sehr viel um Hilfe gebeten habe. Der Herzenskerl hilft mir sowieso immer, viel und gut. Ohne ihn hätte ich weder meine Bachelor noch meine Masterarbeit geschafft. Er hat sich mit mir die Nächte um die Ohren gehauen und versucht an allen Stellen – sowohl inhaltlich als auch organisatorisch eine helfende Hand zu bieten.

Meine Mutter ist für einen Tag extra angereist, hat Carli nach ihren ersten 2h Kita abgeholt und sie den gesamten Nachmittag betreut. So konnten wir uns über eine längere Zeitspanne mit dem Entwurf auseinandersetzen. Das war so hilfreich.

Außerdem seien da noch meine Freunde, die ich sonst nicht oft um Hilfe bitte, aber diese Mal gleich doppelt und dreifach. E., die mir Unterschlupf gewährt hat und sich meine Überlegungen zur Planung der beiden Doppelstunden angehört hat, obwohl sie gerade selbst in der Masterarbeit steckt. D., die mehrfach mit mir telefonisch alles durchgegangen ist, sich alle Entwürfe durchgelesen hat und ihre knappe Freizeit – sie ist selbst Referendarin, muss aber 2h pendeln und zieht gerade um – für mich geopfert hat. R., der netterweise auch meinen Entwurf gelesen hat und mir viel hilfreiches Feedback geben konnte. Dieser Austauch mit allen dreien war so wichtig.

Danke auch an meine twitternden Freunde, die mir in jeder Lebenslage ein schnelles Feedback geben konnten!

Arbeiten, wenn das Kind schläft

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Ja. Ja. Ja. Und das dann auch vor Abgabe bis 3:30 nachts. Zermürbend, wenn das Kind nicht schlafen will und immer wieder nach mir ruft. Ich meine Gedankengänge unterbrechen muss. Aber so ist das eben. Unsere Lösung hier war, dass sie bei uns auf dem Sofa schläft und wir ganz leise gearbeitet haben. Sie schläft ruhiger, wenn sie unsere Anwesenheit spürt und wird sie wach, bin ich sofort zur Stelle. Manchmal haben wir Glück und sie schläft so recht schnell weiter. Manchmal braucht es auch seine halbe Stunde, Stunde, Stunden.

Humor
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Unterstütung habe ich auch von Carli bekommen. Sie hat mir geholfen meine Materialien neu zu sortieren.

Dass fällt nicht immer leicht, aber wenn man manchmal auch über sein Schicksal lachen kann, gehts einem besser. True Story. Und ganz ehrlich? Ohne mein Kind wären die letzten Tage noch besch***ener gewesen. Carli bringt gute Laune, Witz und Spaß. Sie kuschelt und gibt [zwingt] mir Ruhephasen. Ich wage an dieser Stelle einfach mal zu behaupten, dass ich nicht viel produktiver, schneller und besser organisiert gewesen wäre ohne Kind. Den Entwurf hätte ich so mit Sicherheit auch gestern erst bzw. heute morgen fertig gestellt. Vllt. hätte ich nicht bis mitten in die Nacht schreiben müssen, aber das bisschen Schlafmangel halte ich aus. Der Herzenskerl und ich hatten auch schöne Momente zu Zweit und haben gemeinsam geflucht und gepöbelt. Das schweißt zusammen.

 

 Ausblick

Ich werde die nächsten Male trotzdem wieder Pläne machen und organisieren. Improvisieren kann ich dann immer noch.

Ob die Stunde am Montag gut wird, weiß ich nicht. Aber wir haben heute den Raum eingerichtet, die Materialien besorgt und ich freue mich ehrlich gesagt darauf. Ich freue mich auf die Ergebnisse der SchülerInnen und auf eine lebhafte, bunte Stunde.

Ich habe schon mal imaginiert, wie es so laufen könnte:

Ehrliche Frage

Ihr Lieben, wenn ihr Zeit und Lust habt, würde ich mich wirklich freuen, eure Bericht zu hören, wie ihr in solchen problematischen Situationen Lösungen gefunden habt. Vielleicht ist ja der ein oder andere Tip für mich und euch dabei.

 

PS: Das ist übrignes nicht erst mein dritter Unterrichtsbesuch. Aber nicht jeder bietet Stoff, um etwas darüber zu schreiben 😉 Der erste Unterrichtsbesuch verlief super chaotisch bevor er überhaupt begonn – und dann hatte ich da noch einen Besuch mit einem außergwöhnlichen Zwischenfall 😉

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9 Kommentare zu „Prolog UB No 3: Arbeiten mit Kind

  1. Ich bin gerade echt am überlegen ob ICH schon mal in dieser Situation war, wo die Zeit unerwartet knapp wurde – mit Kind. Aber da ich nicht mehr in der Schule war, als meine beiden geboren wurden glaube ich , hatte ich nie diese Situationen . Aber jetzt beim Umzug z.B .hatte ich trotzdem das Gefühl, alles so wenig durchdacht und geplant zu haben, als würde mir das Ruder völlig entgleiten.
    Einige Sachen habe ich immer noch nicht umgemeldet , aber bekomm mich auch zur Zeit zu nichts aufgerafft 😪

    Ich finds Klasse dass du den Bachlor und die Master Arbeit hast! Ich möchte auch so gerne Schule ’nachmachen‘ aber kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren meine Kinder früher als geplant in die Kita zu geben . Alles schwer – oder vielleicht nicht?

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    1. Ich glaube das ist Ansichtssache also das mit dem Gewissen. Dass ich Carli in die Kita gebe, macht mir an sich kein schlechtes Gewissen, weil ich weiß, dass es ihr dort gut geht und sie es liebt dort hin zu gehen.
      Aber sobald dann drumherum weniger Zeit da ist… 😦
      Umziehen ist auch so ein rotes Tuch. Gut, dass wir erst mal bleiben werden!

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  2. Hallo! Deine positive Einstellung finde ich toll! Bei mir laufen Stress-Situationen so ab: Verzweiflung, Verzweiflung & nochmals Verzweiflung. Nachdem ich mich ausreichend bemitleidet habe, heißt es „rein beißen in den sauren Apfel“ und ganz wichtig: Humor bewahren 😉 Ach ja, und wenn möglich andere (Mann, Familie, Freunde) um Hilfe bitten…
    LG, M. Mama

    Gefällt 2 Personen

    1. Ich war zwischendurch auch sehr verzweifelt und habe überlegt, wie ich aus der Nummer wieder raus komme. Aber letztendlich wäre es dann auch nur aufgeschoben wurden und ich hätte die Situation später ähnlich wieder erlebt. Nur ohne Elternzeit für meinen Freund. Also ganz ähnlich wie du: erst mal heulen und dann los. 😄

      Gefällt 1 Person

  3. Es liest sich bei dir doch irgendwie ähnlich wie bei mir. 😉
    Schön, dass du jemanden an deiner Seite hast, der dich unterstützt! Ich wünsche dir viel Kraft dabei! Nimm dich und die Dinge einfach nicht so ernst. Egal wie es kommt – du hast es immer positiv zu finden! Schon aus Prinzip.
    Ich habe mein Abi mit Baby mit 1,3 ganz pasabel gemeistert und studiere nun alleinerziehend mit einem 2,5 jährigen Rotzbengel. To-Do-Listen, Zeitmanagement und Prioritäten setzen, blablabla. Aber am Ende… Improvisation ist alles. 😉

    Herzliche Grüße und hundert imaginäre Nerventees von Tessa!

    Gefällt 1 Person

    1. Wow! Toll, dass du so ein gutes Abi gemacht hast! Respekt! Und ja: Ich weiß es definitiv zu schätzen, dass mein Freund da ist. Auch schon vor unserer Tochter hat er mir immer geholfen und fleißig Korrektur gelesen.
      Ich drück dir die Daumen, dass du dein Studium auch so toll meisterst!
      *schlürfe mal 2 Liter Nerventee
      Juli

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