familienzuschlag · Gedanken zur Vereinbarkeit · Referendariat

Wie funktioniert dieses Konzept von Vereinbarkeit?

Während ich diesen Beitrag schreibe, liegt mein kleines Mädchen krank auf mir.
Und das ist es, was ich unterschätzt habe.

KRANKHEIT vs  Vereinbarkeit

Natürlich ist mir klar gewesen,  dass Kinder auch mal krank werden. Aber die Bedeutung für mich und mein Referendariat ist mir nicht so bewusst gewesen.

Carli ist in den letzten 6 Wochen dauernd krank. Und das nicht immer nur ein bisschen erkältet, nein so richtig. Drei-Tages-Fieber, Grippe, Magen-Darm. Und dann stecke ich mich meistens auch noch an. Oder werde vor Erschöpfung krank, weil ich nicht genug schlafe, mir zu viel Sorgen machen oder oder oder.

Die Erreger bringen wir jetzt beide mit. Sie aus der Kita,  ich aus der Schule.

Was bedeutet das nun aber für mich und meinen Job?
Ich versuche meinen eigenen Unterricht nicht ausfallen zu lassen.
Der Herzenskerl übernimmt Carli so viel und oft er kann. Und gerade hat er ja Elternzeit. Klar könnte ich also getrost arbeiten und Carli von ihrem Papa gesund pflegen lassen.  Aber das widerstrebt mir. Sie braucht mich auch. Und wenn ich nicht bei ihr bin, kreisen meine Gedanken nur um sie und ob es ihr gut geht. So richtig entspanntes Arbeiten sieht dann leider anders aus.
Ich frage mich,  kann ich sie denn wirklich die nächsten 3 Tage fast den ganzen Tag bei Papa lassen, obwohl sie nichts isst und gestillt werden muss. Klar bekommen andere Kinder in ihrem Alter sowieso keine Muttermilch  mehr. Aber mein Kind schon und ich fühle mich verantworlich.

Wie machen das andere Mamis?

Abgesehen von der Außer-Haus-Zeit, komme ich so auch überhaupt nicht dazu mich vorzubereiten. Ich frage mich wirklich: Wie machen das andere Mamis? Seid ihr konsequent? Verlasst ihr z.B. die Wohnung und geht in die Bibliothek oder in ein Café, um euch vorzubereiten oder zu lernen?

Meinen Unterricht für heute habe ich dann gestern abend geplant als Carli endlich gut und ruhig geschlafen hat. Klar, das ging und der Unterricht heute war auch erstaunlich gut. Aber mein Tagespensum für den Großen Unterrichtsbesuch in zwei Wochen habe ich so nicht geschafft. Ende vom Lied: Ich musste heute den Termin zur Vorbesprechung mit einer Fachkollegin absagen, weil ich nichts hatte, was wir hätten besprechen können.

(K)eine Frage des Alters

Carli ist noch sehr klein mit ihren 13 Monaten. Aber auch wenn sie 3 oder 4 Jahre ist, wird sie mich brauchen, wenn sie krank ist. Und das schlechte Gewissen bleibt. Sagt auch meine Mama. Die mich dann aber versucht zu beruhigen: Aber sie erinnern sich nicht daran, ob du dann immer da gewesen bist.

Selbst wenn das so ist, ich erinnere mich. Ich werde mich daran erinnern, wie zerrissen ich den gesamten Februar 2016 gewesen bin. Zwischen meinem kranken Kind, meiner eigenen Erschöpfung und der Arbeit. Und ich werde mich daran erinnern, das ich das Gefühl nicht los werden konnte, nichts richtig zu machen. Früher gehen, später kommen. Absagen. Verschieben. Entschuldigen. Erklären.

Ist das jetzt die Realität? Ist das „Normal“?

Funktioniert Vereinbarkeit nur, wenn alles nach Plan läuft? Wenn keine Krankheiten, wenn keine Sonderfälle, wenn keine unerwarteten Ereignisse eintreten?

Aber müsste Vereinbarkeit nicht gerade jene Zufallsprodukte mit abdecken? Also vereinen?

Oder scheitert das Konzept letztendlich nur am Gewissen?

Ich merke, wie mir mein Bauch weh tut und ahne schon das Stufe 2 erreicht ist. Krank mit krankem Kind. Hoffentlich wird der März netter zu uns.

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Dieser Beitrag hat mich animiert eine Reihe zu #Gedanken zur Vereinbarkeit zu starten.

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14 Kommentare zu „Wie funktioniert dieses Konzept von Vereinbarkeit?

    1. Es klingt sehr naiv, aber ich habe das wirklich unterschätzt. Auch die Ansteckung, die davon ausgeht. So oft war ich die letzten Jahre nicht krank. Die Kinderäztin meinte heute auch, dass früher (ohne Kitas) die kleinen Kinder wesentlich weniger krank gewesen sein. Die Krankheiten haben sie sich dann erst im Kindergarten geholt und da sei das Imunsystem natürlich schon gestärkter. Ich hoffe wirklich, dass jetzt, wenn der Frühling erst mal kommt, die Krankheitswellen abebben.

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  1. Bin ich froh, deinen Blog entdeckt zu haben. Ich mache auch Referendariat (Vollzeit) mit Kleinkind…Als ich vor einem Jahr angefangen habe, war sie gerade 14 Monate alt. Der Papa arbeitet auch Vollzeit und wir haben keine Großeltern oder so, die nicht auch Vollzeit arbeiten… Das klingt nach Wahnsinn? Ist es! Mit guter Organisation machbar, aber wie du auch schreibst- auch ich habe die Krankheiten total unterschätzt. Selbst wenn man die Betreuung irgendwie organisiert hat, alles in einem schreit: Bleib bei deinem kranken Kind!!!! Und das schlechte Gewissen nagt…immer. Letzte Woche hatten wir den Supergau. Meine Tochter bekommt Samstag hohes Fieber – ich habe am Montag Prüfung… Ok der Mann meldet sich krank, aber ich muss zur Prüfung gehen obwohl die Kleine bei Mama sein will. Nach der Prüfung lässt die Wirkung des Adrenalins nach – mich erwischt es total, ich liege völlig flach… Kind krank, Mama krank. Könnte kuschelig sein, wäre nicht der Montag drauf Unterrichtsbesuch…. Gut zum Wochenende hin werden wir fitter, ich schaffe es irgendwie einen halbwegs anständigen Unterricht vorzubereiten, dann der Anruf von der KiTa – sie bleibt am Montag geschlossen wegen einem Schweinegrippe-Fall… Gibts das? Nun gut, dass der Mann nun krank ist, macht es nicht leichter und dass er sich trotzdem zur Arbeit schleppen muss, auch nicht. Zum Glück haben wir ne Betreuung organisieren können, mein Unterrichtsbesuch lief erstaunlich gut trotz mangelnder Vorbereitung… Und nun heißt es durchatmen und auf den nächsten Sturm warten und bis dahin ständig früher gehen müssen, absagen, Kind vertrösten – der normale Wahnsinn halt…
    Dabei verletzt mich ständig der Satz, der in meinem Kopf kreist: „Dein Alltag ist ihre Kindheit!“

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    1. Hallo Verena,
      deinen letzten Satz möchte ich nicht unkommentiert lassen.
      Du hast viel Stress. Und es geht gerade nicht anders. Dein schlechtes Gewissen kann Dir nur sagen: „wenn es anders geht, mach es anders.“ Aber wenn es eben gerade nicht anders geht? Das mache dich nicht noch zusätzlich fertig. Du kannst darauf auch auf andere Weise reagieren: Wenn du mal Zeit mit dem Kind hast, auch hundertprozentig aufmerksam sein. Zusehen, zuhören, aber bewusst ohne gestresst zu sein. Vorher durchatmen. Sich sage: „Jetzt nehme ich mir Zeit nur für dich.“ Das schließt nicht aus, gemeinsam den Haushalt zu machen 😉 Und auch das Referendariat wird irgendwann vorbei gehen. Dass Du Stress hast, muss dein Kind nicht verletzen. Ich hoffe, du verstehst mich so, wie ich es meine 😉

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      1. Ja. Den Kindern geht es bei Papa auch gut. Das muss man sich immer vor Augen führen. Papas können das auch! (Mamas sind nur kontrollbedürftig und möchten natürlich selbst alles richtig machen – so geht mir das immer.) Loslassen ist schwer, aber es ist ja nur temporär!

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    2. Ich habe bei Facebook vor ein paar Tagen eine Grafik gesehen „Torte der Wahrheit“ von Katja Berlin. Was Mütter in Deutschland falsch machen können: 50% nicht arbeiten gehen, 50% arbeiten gehen.
      Das schlechte Gewissen hat man als Mama wohl immer. Es kommen wieder bessere Zeiten und ganz ehrlich, du kannst wahnsinnig stolz auf deine kleine Familie und dich sein, dass ihr das so toll hinbekommt – auch ohne familiäre Unterstützung! Gib nicht auf!
      „Dein Alltag ist ihre Kindheit“ – das stimmt natürlich, heißt aber nicht, dass es negativ konnotiert sein muss. Ich denke, dass du ganz bewusst die Zeit mit deinem Kind genießt und es sicherlich viel mehr zu schätzen weißt, wenn du bei ihr bist. Sie läuft sicherlich auch manchmal einfach so mit, aber ich bin mir sicher, dass das eher die Ausnahme ist.
      Bald sind Ferien und dann könnt ihr 3 nochmal so richtig durchatmen!

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  2. Ich kann verstehen, warum du ein schlechtes Gewissen hast ❤ und hoffe, dass du bald mit einem guten Bauchgefühl dein Referendariat weitermachen kannst. Diese Zerrissenheit ist ein ganz blödes Gefühl.
    Aber falls es dich beruhigt: NotYet kam erst mit 3 Jahren in den Kindergarten und war das gesamte erste Jahr fast durchgehend krank. Genauso wie ich, der Herzensmann und natürlich BusyBee. Ein Seuchenjahr… :-/ Das erste Jahr in der Fremdbetreuung ist immer mit Krankheiten gespickt – egal wann es beginnt: ob mit 1 oder 3 Jahren!
    Ich schicke dir viel Kraft ❤

    Liebe Grüße
    Mother Birth

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  3. Es gibt keine Vereinbarkeit so lange MÄNNLICHE Politiker dafür gelobt werden, wenn sie beim kranken Kind daheim bleiben und Müttern im selben Fall unterstellt wird, man sei mit der Situation überfordert und bekomme das mit dem Arbeiten nicht hin.

    Und auch Deine Befürchtung, dass es sich mit Alter des Kindes nicht ändern wird, kann ich nur bestätigen. Wir sind bisher bei beiden von großen Krankheitswellen verschont geblieben, aber dieses Jahr, wo die Große fast 5 1/2 und die Kleine 2 3/4 ist – DA kommen wir plötzlich aus dem Krank sein nicht mehr raus… Und bei Euch ist es mit der doppelten Virenbelastung ja auch echt nochmal ne andere Nummer.

    Das schlechte Gewissen ist uns Müttern angeboren… Such Du Dir DEINEN Weg, wie es für Dich am besten geht und genau so ziehst Du es dann auch durch! …Kritik bekommst Du sowieso, weil man es als Mütter nie richtig macht… Ignorier es, sonst macht es Dich kaputt!

    Und was die Erschöpfung angeht: KUR!!!

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  4. Hat dies auf Juraexamen mit Kind – war Justitia Mutter? rebloggt und kommentierte:
    Heute ein Artikel von „Familienzuschlag“ in der Reihe „Eltern im Job“. Sie arbeitet als Referendarin in Teilzeit, hat eine einjährige Tochter und berichtet von ihren Gedanken zum Konstrukt „Vereinbarkeit“. Kann es das überhaupt geben? Oder das nur, alles halb und nichts „richtig“ zu machen, schlechtes Gewissen inklusive.

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  5. Ich kann auch dazufügen: Krank werden sie im ersten Jahr wohl alle, egal wie alt sie sind. Unsere Zwillinge sind jetzt 18 Monate und ich fange das Ref bald an. Ich habe also das Examen schwanger/mit Säuglingen hinter mich gebracht und muss im Nachhinein sagen, dass das zwar unglaublich schwierig war, aber auch angenehm, weil man wirklich hauptsächlich zu Hause gearbeitet hat. Es zerreist einen trotzdem, wenn die wenigen Monate alten Kleinen für die 5-6h die man sich im Büro einschließt ignoriert werden müssen.

    Ich konnte mich 100% auf die Betreuungspersonen verlassen und habe immer ‚mit einem Ohr‘ mitbekommen, was so lief. Haus verlassen, für die letzten dürftigen Kurse war extrem schwer. Jetzt habe ich schon Vollzeit im letzten halben Jahr gearbeitet, während ich mein Drittfach nachgeholt habe und es wird nicht viel einfacher, sich von den Kindern zu trennen. Erleichtern tut die Sache für mich die Kita. Die Kinder sind sehr gerne da, ich habe einen guten Draht zu den Erziehern und da sage ich mir dann:

    Ja, mein Alltag ist ihre Kindheit, aber sie haben jetzt schon einen Alltag außerhalb von meinem, der ihnen gut gefällt und (soweit ich bisher beurteilen kann) gut tut. Ich hoffe, dass ich da nichts falsch einschätze 🙂 Solange das so bleibt, versuche ich mir kein allzu großes schlechtes Gewissen einzureden.

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