familienzuschlag · Referendariat

Referendariat mit Baby – das erste Halbjahr

Ich habe mein Referendariat begonnen als Carli 8 Monate alt gewesen ist. Für die ersten  Wochen hatte der Herzenskerl Teilzeit-Elternzeit beantragt, so dass er zumindest nur 20h arbeiten musste. Für den Beginn des Referendariats gibt es nämlich einige Hürden, die man meistern muss und die im Vorfeld nicht durch besonders gute Organisation abgedeckt werden können. Stundenpläne erhält man zumeist recht kurzfristig. Ebenso gibt es an fast allen Seminarstandorten eine Einführungswoche. Selbst wenn man also die Arbeitszeit vorher als annehmbar kalkuliert hat, kommt eine Woche in der man gut 8h am Tag außer Haus ist dazwischen.

So haben wir uns organisiert:

Einführungswoche:

Da Carli noch gestillt wird, ist der Herzenskerl in der Mittagspause zu mir gekommen und ich konnte mich eine Stunde um mein Kind kümmern.

Meine Schwester und mein Bruder sind an einem Tag der Einführungswoche extra angereist, um Carli zu betreuen, weil der Herzenskerl auch mal arbeiten musste.

Schulstart:

Durch das Teilzeitmodell muss ich nicht viele Stunden machen. Ich habe nur an einem Tag die Woche Schule. In den Freistunden fahre ich nach Hause, stille Carli und bringe sie zum Mittagsschlaf ins Bett. Meistens habe ich Glück und sie wacht auf bevor ich wieder los muss und wir können noch spielen.

Fremdbetreuung:

Als Carli 6 Wochen alt wurde, habe ich bereits in einem Projekt weiter gearbeitet. Mit Carli im Tuch ging das problemlos. Als sie ca. 5 Monate alt wurde, kam ihre Babysitterin mit zum Projektort und ist dort mit ihr spazieren gegangen. Diese Babysitterin haben wir dann eingespannt, um Carli auch während meiner Schulzeiten zu betreuen. Carli war bereits an sie gewöhnt, ich habe ihr vollkommen vertraut und kenne die Babysitterin auch schon lange vor Carlis Geburt. Das ist ein großes Glück für uns gewesen. Ich hätte mich ungerne regelmäßig auf die Hilfe von Freunden berufen oder mein Baby zu Fremden gegeben. So hatten wir ein professionelles Verhältnis und ich musste kein schlechtes Gewissen haben jemanden auszunutzen. Unsere Familien wohnen weiter weg – eine solche Betreuung kam also nicht regelmäßig in Frage. Meine Mutter kam trotzdem ab und zu für einen Tag um auszuhelfen, wenn die Babysitterin zb mal nicht konnte. Das waren aber auch alles Voraussetzungen dafür, dass ich das Referendariat überhaupt schon begonnen habe!!! Das trotzdem mal was schief gehen kann, habe ich ja hier schon geschildert.

Unbenannt
Mein Wochenplan

Montag und Mittwoch Vormittag ist Carli bei der Babysitterin, optional auch donnerstags, da ich da die ersten Wochen noch in einem Kurs hospitiert habe und später unregelmäßige Termine zum Thema Schulrecht hatte. Montag und Dienstag Nachmittag kommt der Herzenskerl früher von der Arbeit und bleibt dann bei Carli.

Die Zeiten, die man weg muss, sind also überschaubar. Viel mehr Zeit kostet die Vorbereitung für den Unterricht und die Seminare.

Unterrichtsvorbereitung:

Der Sonntag steht hier oft im Zeichen der Vorbereitung. Der Herzenskerl spielt mit Carli, macht Ausflüge und ich sitze am Schreibtisch. Unter der Woche mit Carli zu meinen Füßen komme ich eigentlich zu nichts. Also muss ich am Wochenende ran. Wenn Unterrichtsbesuche an stehen wird das schon mal ganz schön stressig. Ich habe mich dann oft mit Carlis Babysitterin verabredet, um nochmal 2h unter der Woche arbeiten zu können. Nachtschichten sind hier auch Pflicht. Auch wenn diese manchmal nervenzerreißend sind, wenn Carli nicht schläft.

Seminarfahrt:

An den meisten Seminaren ist es üblich mit allen Referendaren, die gerade begonnen haben, für 3 Tage eine Seminarfahrt zu machen. Ehrlich gesagt ist das ein Knackpunkt, der für Eltern von Kleinstkindern nahezu unüberwindbar ist. Insbesondere mit Stillkindern kann an solch einer Fahrt eigentlich nur teilgenommen werden, wenn der Partner sich Urlaub nimmt und die Tage in der Nähe des Ausflugsziels verbringt. So einen ähnlichen Plan haben wir dann aufgestellt. Ich bin aber zum Glück krank geworden und der Stress blieb Carli und mir erspart.

Termine außer der Reihe

Und hier kommen wir zu unserer Achillesferse. Ist man im Vorbereitungsdienst gibt es zwei Institutionen, die zusätzliche Termine veranschlagen können. Gerade in Schulen gibt es Gesamt- und Fachkonferenzen, Elternsprechtag, Projektwochen, Exkursionen, Treffen mit Fachkollegen zur Besprechung der Hospitationsstunden, Fortbildungen und, und, und. Das Positive zuerst: Auch Lehrer haben hier ein Betreuungsproblem und müssen auf ihre Ressourcen zurück greifen, wenn die Kita bzw. der KiGa zu ist und keine Babysitter gefunden werden.

Es bleibt einem hierbei einfach nichts anderes übrig als seine Improvisationsfähigkeiten auszubauen. Als Referendar kann man schlecht ständig die „Baby-Karte“ ziehen und sich entschuldigen. Zur Weihnachtsfeier habe ich Carli z.b. einfach mitgenommen. Für eine Personalratssitzung wurde sie mir nach dem Pädagogikseminar gebracht. Zu Besprechungen mit Fachkollegen und Terminen mit Seminarleitern kündige ich meistens schon an, dass ich Carli mitbringen muss, wenn es keinen anderen Terminvorschlag gibt. Bisher alles ohne Probleme. Natürlich ist es anstrengender für mich, weil ich mich auf mein Kind und die Inhalte des Termins konzentrieren muss. Das ist klar. Aber ich genieße diese Zeit mit meinem Kind tatsächlich auch und bin stolz auf sie, dass sie so ein liebes und ruhiges Mädchen ist. Ich mag die Termine zu denen ich sie mitnehmen kann auch lieber als die ohne Kind. Denn jeder Zusatztermin ohne Carli ist eben zusätzliche Zeit, die ich mein Kind nicht sehe.

Ich denke, man muss sich einfach trauen: Carli und ich sind als sie 4 Wochen alt gewesen ist das erste Mal im Theater gewesen. Das war Teil meiner Wochenbettzeit und ich habe es genossen. Aber das ist natürlich auch eine Typsache!

 

Fazit

Das erste Halbjahr ist nun seit einigen Wochen um und ich denke, wir haben das bisher gut gemeistert. Es ist wichtig, dass man sich Ruheinseln schafft. Die Ferien sollte man nicht nur als wichtige Auszeit benennen – sondern dann auch wirklich nutzen. Dieser Strudel der Arbeit in den man so schnell gerät, der einen stresst und überlastet, kam bei mir aber gar nie auf. Denn wenn ich noch so motiviert und voller Ideen für meinen Unterricht bin – sobald ich zur Haustüre rein komme, krabbelt mir eine kleine Person entgegen. Und da ist die erste Priorität. Sie lässt mich zu Ruhe kommen. Sie zwingt mich zu Pausen. Sie ist mein Ausgleich. Klar ist es mal anstrengend und ja die Zweifel, ob ich das Richtige tue, kommen mir auch. Aber der Herzenskerl sagt dann immer: Hättest du nicht angefangen, würdest du dich das ebenfalls fragen. Und unzufrieden wärst du obendrein.

 

Ihr Lieben: Wie war euer Start mit Baby/Kleinkind/Kind in den Arbeitsalltag? Wie habt ihr das geschafft und wie habt ihr euch dabei gefühlt?
Schreibt mir doch mal, wenn ihr Lust habt!

 

 

 

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2 Kommentare zu „Referendariat mit Baby – das erste Halbjahr

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