familienzuschlag · Referendariat

Referendariat in Teilzeit

Ja. Das geht! Ich praktiziere es!
Und weil ich letztes Jahr ziemlich verzweifelt nach Informationen gesucht habe, dachte ich, ich verfasse mal einen kurzen Beitrag dazu.

Das Referendariat Lehramt an Gymnasien kann man tatsächlich in einigen Bundesländern in Teilzeit machen. Voraussetzung hierfür ist die Pflege eines Angehörigen bzw. mind. ein Kind unter 18 Jahren.

Es gibt dabei verschiedene bundeslandabhängige Modelle. In Niedersachsen zb. kann man zwischen Modell A und B wählen.

Modell A – Doppelte Zeitdauer, halbe Stundenzahl

Ganz klassisch – die Stunden werden halbiert und die Ausbildungszeit verdoppelt. Statt 1,5 Jahre dauert das Referendariat dann 3 Jahre. Praktisch sieht es dann so aus, dass man zuerst im ersten Jahr ein Fach, dann das zweite Jahr das andere Fach unterrichtet und im dritten Jahr beide Fächer gleichzeitig. Das klingt sehr langwierig und ist es sicherlich auch. ABER die positiven Seiten sind: Man hat so auch nur die Hälfte an Terminen, nur ein Fachseminar, nur die Hälfte an Unterrichtsbesuchen und somit sicherlich auch weniger Stress. Insgesamt sind es dann 3 Stunden eigenverantwortlicher Unterricht und nochmal ca. 2 Stunden betreuter Hospitationsunterricht. Hinzu kommt das Fachseminar (zumeist 14-tägig und 3 Stunden) und das Pädagogikseminar (häufig wöchentlich und 2 Stunden). Mit Kind ist dieser Zeitraum außer Haus überschaubar.

Modell B – Individuelle Ausbildungspläne

(auch in Berlin, Hessen und Schleswig Holstein möglich): hier ist die Lage je nach Bundesland unterschiedlich.

In Niedersachsen wird nur der betreute Hospitationsunterricht reduziert. Das macht eine Stundenzahl von durchschnittlich 6 Unterrichtsstunden. Vorteil: Die Ausbildungsdauer verlängert sich nicht.
Nachteil: Gerade im betreuten Hospitationsunterricht lernt man viel und wird oft gut unterstützt. Auch die Anzahl der Unterrichtsbesuche wird hier reduziert, so dass man zwar weniger stressige Beobachtungssituationen hat, aber eben auch weniger Feedback erhält. Die Ausbildungsnote setzt sich dann natürlich auch aus der geringeren Anzahl an Besuchen zusammen. Das wiederum kann ein Nachteil sein, wenn die Unterrichtsbesuche mal nicht so gut laufen. Auch die Fach- und Pädagogikseminare sind regelmäßige Pflichtveranstaltungen.
In Hessen und Berlin wird die Dauer des Referendariats von 18 auf 24 Monate erweitert. Man bekommt sozusagen ein halbes Jahr mehr Zeit eingeräumt.
Trotzdem ist das ein guter Kompromiss um die Arbeitsbelastung zu reduzieren.

Wichtig ist aber auch zu wissen, dass man jederzeit in das andere Modell oder auch auf Vollzeit wechseln kann. Ebenso ist es möglich erst mal in Vollzeit zu starten und später zu reduzieren. Man muss sich nur rechtzeitig darum kümmern. Als Richtwert gilt ein Schulhalbjahr vorher. Aber natürlich gibt es auch Ausnahmen! In Berlin muss man sich zb. vor Dienstantritt verpflichtend entscheiden.

20160217_094406

Auskunft über die jeweiligen Möglichkeiten in den Bundesländern können bei der GEW oder auch beim Landesschulamt erfragt werden. Online sind die Informationen insgesamt eher rar und man muss sich ein bisschen durchfragen. Ich habe das Gefühl, dass die Möglichkeit Referendariat in Teilzeit zu absolvieren, lieber etwas unter Verschluss gehalten wird, damit es evtl. nicht zu viele gibt, die auf diesen Gedanken kommen 😉 oder aber es liegt an generell dürftigen Online-Auftritten…. Ich will keine Werbung für die GEW machen, aber die versuchen gerade seit letztem Jahr verstärkt Transparenz auf bundesweiter Ebene zu schaffen!

Gehaltstechnisch ist es natürlich auch so eine Sache. Das Referendariat wird an sich schon recht schlecht bezahlt. Durchschnittlich verdient ein Referendar im Lehramt zwischen 1200-1300€. Ein Nebenverdienst ist nur mit Zustimmung des Dienstherren möglich. Macht man das Referendariat in Teilzeit – egal welches Modell -, halbiert sich natürlich auch das Gehalt. Das ist logisch, kann aber ebenfalls ein Nachteil sein. Für Verheiratete und Eltern und auch welche die beides sind, gibt es noch einen Familienzuschlag. Der Familienzuschlag ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und steigt mit jedem Kind (oder mit der Ehe). Es gibt in manchen Bundesländern auch Modelle, bei denen man noch 75% des Gehalts verdient.

Grundsätzlich gilt: Es ist möglich! Man muss nur wissen, dass es ein Referendariat in Teilzeit gibt. Eine gute Übersicht darüber, in welchem Bundesland was möglich ist gibt’s von der GEW hier.

Hinzuzufügen ist noch, dass die Ausbildungspläne meistens individuell vom Seminarleiter erstellt werden. Eine Art Prüfungsordnung, anhand der man selbst nachvollziehen kann, was warum wann wie gemacht werden soll, konnte ich bisher nicht auftreiben. (Für Infos bin ich sehr dankbar!) Ob man dann mit dem individuellen Ausbildungsplan zufrieden ist, ist natürlich nochmal eine ganz andere Sache. Dazu blogge ich sicherlich in nächster Zeit auch noch.

Wie sind eure Erfahrungen mit Referendariat und Kind? Wusstet ihr von Anfang an von der Teilzeitmöglichkeit? Oder wie habt ihr die Zeit „überstanden“?

________________________________________________

Das Gespräch zum Ausbildungsstand findet auch im Referendariat in Teilzeit nach der Hälfte der Ausbildungszeit (bzw. nach der Hälfte der Ausbildungszeit von einem Fach) statt. Hierbei sind die Verfahren ebenfalls unterschiedlich, aber das Gespräch sollte hauptsächlich mit dem jeweiligen Fachleiter gehalten werden, der den Referendar auch betreut hat. Ob der Pädagoge/ die Pädagogin sich zu einer Notentendenz äußert ist sicherlich auch individuell.

 

Advertisements

10 Kommentare zu „Referendariat in Teilzeit

  1. Gute Info!
    Ich hab nach dem 1. Staatsexamen (in Bayern) aufgehört. Mittlerweile Weile bin ich in Berlin, hier gibt es eine TZ-Regelung. Und eigentlich will ich in meinen alten Job nicht zurück.
    Danke für die Anregung also!

    LG,
    Hanna

    Gefällt 1 Person

  2. Das ist ja toll. Es sollte mehr solche Modelle geben. (Auch für Juristen). Ich finde es super, dass du über so etwas berichtest. Das bedeutet ja, die Möglichkeit zu finden, die für sein Leben passt! Ich finde, solche „indiviuellen“ Möglichkeiten sollten sich mehr durchsetzen. VG!

    Gefällt 1 Person

    1. Ja finde ich auch! Für Ärzte gibt es auch eine Teilzeitvariante für die Facharzt-Weiterbildung. Das ist total sinnvoll!
      Schade ist nur, dass diese Möglichkeiten oft nicht ausreichend bekannt sind. Wir haben auch durch einen Zufall davon erfahren, dann viel telefoniert und recherchiert bis wir eindeutige Auskünfte bekommen haben…
      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

  3. Ich habe das Referendariat in NRW in Vollzeit gemacht und bin Mutter einer kleinen Tochter.
    Morgens Schule, bzw. Seminar bis zum Nachmittag, dann Kind abholen und bespaßen, Haushalt nebenbei, abends das Kind ins Bett und dann ab an den Schreibtisch.
    Ich habe etliche Nächte durchgearbeitet.
    Unterrichtsvorbereitungen, schriftliche Entwürfe, Korrekturen von Klausuren – alles lief zwischen 20 und 6 Uhr morgens ab.
    Danach war ich platt wie eine Briefmarke.

    Gefällt 1 Person

  4. Sehr gut zusammen gefasst.
    Wollte nur ergänzen, dass man in NDS im Modell B nicht auf die Hälfte reduzieren muss, sondern soviel, wie man mag ( eben BIS zu 50%). Ich habe jetzt um 2 Stunden reduziert. Das erspart auch viel Zeit. Und reicht für mich und Sohnemann. Dann gibt es nämlich auch mehr als die Hälfte an Gehalt. Eben prozentual errechnet.
    Habe jetzt angefangen im Februar und bei mir im Seminar waren alle sehr aufgeschlossen und hilfsbereit. Kann es mit Kind nur empfehlen!

    Gefällt 2 Personen

  5. Hallo,
    danke für die Infos. Super lieb, dass du alles zusammengeschrieben hast.
    Hast du auch Informationen darüber wie der vergütung in Teilzeit berechnet wird ?

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s