familienzuschlag · Schwangerschaft & Geburt

Geburtsbericht Teil 1 – über das Gewicht. Ein Thema mit viel zu großem Stellenwert in der heutigen Gesellschaft.

Der 16. Januar 2015 ist der errechnete Geburtstermin von Carli gewesen. Meine gesamte Schwangerschaft hindurch wollte ich, dass sie nicht früher kommt. Anfangs, weil ich sie aus dem Dezember heraushalten wollte (geprägt von 5 Familiengeburtstagen und – äh – ja Weihnachten), weil ich ihr Silvester als Geburtstag ersparen wollte. Später, weil am 16.1.2015 meine Absolventenfeier stattfand. Und da wollte ich unbedingt hin! Und dann war am 19.1.2015 noch diese Theatersache. Da wollte ich doch dann auch nochmal hin! Mit dickem Bauch. Ganz stolz.

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Und? Ja, ich hab alles geschafft. Aber bin ich darüber glücklich?

Jein.

Ich wollte seit dem ich wusste dass ich schwanger war ins Geburtshaus. Hätte ich sie vorher entbunden, dann wäre das sicherlich auch so gewesen. Aber ich habe übertragen. Nicht weit. 40+6

Ich hatte keine Angst vor der Geburt. Nicht einen Tag, nicht eine Stunde. Ich habe niemals daran gezweifelt, dass Carli und ich das können. Warum auch nicht? Mir ging es gut, ich bin jung, Carli fit und Mutti fit. Geburtshaus heißt ruhige Atmosphäre, keine Interventionen, bekannte Gesichter, die uns schon über Monate begleiten.

Und dann habe ich einen Fehler begangen. Eine Entscheidung getroffen, die eine Kettenreaktion mit sich trug.

  1. Verunsicherung: Bei meinem letzten Frauenarzttermin wurde schon prognostiziert, dass Carli kein kleines Kind sei. Hab ich auch nicht erwartet. Nun gut. Aber ein mehr als 4 Kilo Kind ist schon eine Sache. Nicht für die Geburt, sondern für danach. Was ist wenn ihr keine Anziehsachen passen? (Gedanken einer naiven, unwissenden Mama).
  2. Verunsicherung: In der Woche vor ET hatte ich Vorsorge im Geburtshaus. Meine Hebamme hat meinen Bauchumfang gemessen (124 cm) und meinte, sie wolle mal die anderen Hebammen rufen, damit das Gewicht von Carli geschätzt wird. Alle drei Hebammen kamen zum Schluss, weit über 4 Kilo.

Jetzt war ich sehr verunsichert. Und wollte, im Falle eines Übertragens, unbedingt nochmal zum FA um Carli mittels eines Ultraschalls ausmessen zu lassen. Also habe ich einen Termin gemacht für den 20. Januar. Morgens.

Heute weiß ich, dass es dumm war. Nicht nötig. Aber zu dem Zeitpunkt war es mir so unglaublich wichtig nochmal eine technische Beurteilung ihres Gewichts zu bekommen. Ich hatte solche Angst, dass Carli ein dickes Baby ist, das niemand süß findet. Ich hatte Angst, dass meine Familie für immer und ewig darüber spricht, was für ein Klops sie gewesen ist. Ich habe mich verrückt gemacht. Ich habe ihr Sachen in 62 gekauft.

Dann kam der 20. Januar und ich bin glücklich und vergnügt zum Frauenarzt gefahren. Mit Bus und Bahn. Hatte mich zum Mittag in der Stadt verabredet. War positiv für einen schönen Tag eingestellt. Ok, ich hatte Angst vor der Waage. Die war nicht nett mit mir. Besonders die meines Arztes nicht, denn dort wog ich immer 5 Kilo mehr als im Geburtsthaus.

Beim Arzt angekommen wurde das übliche Prozedere durchgeführt und ich ans CTG angeschlossen. Wehen wurden keine aufgezeichnet – alles normal.

Und dann. Dann fielen Carlis Herztöne plötzlich einmal rapide nach unten. Ich habe das gehört, ich habe das auf dem CTG gelesen. Einmal kurz. Einmal ganz tief. Ein merkwürdiges Gefühl. Dann wieder normale Herzgeräusche, normales blubbern. Normal Zustand. Carli ist noch da, Carli geht es gut.

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Das CTG – das den Geburtsplan sprengte

Die Arzthelferin kommt herein. Sonst gibt es immer Smalltalk. „Oh keine Wehen.“ / „Ah, ihr Kind schläft.“  – diesmal ein Blick aufs CTG, der Hinweis ich solle mich anziehen und tschüss. Naja. Ok. Die netteste war sie bisher nie. Aber das Gefühl, das irgendwas nicht stimmt – und ich meine damit nicht mein ungeborenes Baby – beschleicht mich immer mehr.

Meine Ärztin begrüßt mich, guckt sich das CTG an, murmelt nur etwas von „das sieht aber nicht gut aus“ und beginnt mit dem Ultraschall. Sie fährt sofort weiter und erklärt etwas von weniger Fruchtwasser und beginnender Verkalkung der Plazenta. (BEIDES ist absolut normal bei überschreiten des Entbindungstermins. Ich weiß das jetzt und ich wusste das auch vor einem Jahr schon.) Trotzdem fühle ich mich ein bisschen wie in einer Wolke. Niemand erklärt mir genau was los ist, und ich beginne einfach alles auszublenden. Die Ärztin erklärt mir dann noch während der hastigen Untersuchung, wir müssen jetzt schnell überlegen, was der nächste Schritt ist, ich solle mich anziehen und dann in ihr Zimmer kommen.

Das Gespräch leitet sie ein mit den Worten: „Jetzt sind wir ja so weit gekommen und wollen unser Glück nicht überstrapazieren.“

Und was WIR dann (nicht) besprochen haben, folgt in Teil 2.

 

 

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5 Kommentare zu „Geburtsbericht Teil 1 – über das Gewicht. Ein Thema mit viel zu großem Stellenwert in der heutigen Gesellschaft.

  1. Wunderbarer Beitrag! Einfach toll!!! Ich bin sehr gespannt was im Teil 2 zu lesen ist. Aber ich befürchte, ich kann ahnen was kommt… Leider. Den Text ist eine Paradebeispiel dafür, was in der Kommunikation zwischen Geburtshelfern (Hebammen und Ärzten) und den Schwangeren Frauen schief läuft. Was Worte ausmachen, die unbedacht hingeworfen werden, welche Kettenreaktionen sie auslösen. Ich könnte ein Buch darüber schreiben. Wahnsinn…. Drück dich – mach dir keine Vorwürfe, echt!

    Viele Grüße
    Mother Birth

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    1. Ja, es zeichnet sich schon ab, nicht wahr? Aber ich kann schon mal vorwegnehmen, dass ich das Geburtserlebnis an sich als positiv empfunden habe.
      Die Kommunikation. .. Ja. ..Also da muss ich echt sagen, dass generell ggü Schwangeren besser darauf geachtet werden sollte was man sagt und wie. Ich hab da echt noch ein paar Geschichten auf Lager – u.a. Wie so ein nichtiger Zuckertest ablaufen und was für ein Drama daraus werden kann.
      Also, wenn du ein Buch schreiben willst, ich liefere dir gerne ein paar Storys!

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      1. Ich höre mit Freude, dass das Geburtserlebnis wenigstens positiv war, nach dem ganzen Stress, aber es war ja anscheinend nicht so, wie du es dir erwünscht/ erhofft hast – Stichwort: Geburtshaus?! Und vermutlich hast du dir auch weniger Stress und Angst gewünscht…?
        Ich könnte wahrscheinlich schon einen Mehrteiler schreiben mit Geschichten, wo man glaubt, die könnten niemals in Deutschland so passiert sein… Aber wie gesagt, ich möchte mich auf die positiven Berichte konzentrieren ;-)….
        Bin sehr gespannt, wie deine Geschichte endet.

        Liebe Grüße
        Mother Birth

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      2. Ja genau, der Plan wurde dann über den Haufen geworfen. Und ich habe sehr dagegen angekämpft. Aber für mich gab es da schon direkt nach Carlis Geburt eine Unterscheidung zwischen dem Drumherum und der Geburt an sich. Glücklicherweise zeitlich und räumlich auch getrennt. Aber ich denke, meine Sichtweise ist auch eher optimistisch. 😊

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